Konzerte 2017

unser letztes Konzert...

 Foto Gartner

Mit reinen Klängen und pulsierendem Metrum für den Frieden

Ein Ereignis hielt den Wasserburger Bach-Chor unter der Leitung von Angelica Heder-Loosli sowie auch die interessierten Wasserburger schon im Vorfeld in Bann: Das moderne Oratorium „The Peacemakers“ des Waliser Komponisten Karl Jenkins.
 
Und wie schafften die Sängerinnen und Sänger die neue Aufgabe? Ohne Scheu vor Ungewohntem machten sie sich an die Arbeit, ja, sie saugten die keltisch-walisische Urmusikalität des Komponisten geradezu in sich auf, wiegten sich in den herben und doch eingängigen Harmonien. Der über die Region hinaus berühmte Kinderchor, die "Haager Spatzen" war von Zsuzsanna Karolyi-Philippzig famos einstudiert. Die Kinder sangen rein und klar mit einer bewundernswerten Intensität und wirklich zu Herzen gehend! Sie waren eine wunderschöne Ergänzung zum Bach-Chor, dessen homogene und sonore Kraft auch in der Riesenkirche unmittelbar spürbar wurde. So gewann die Musik die notwendige Tiefenschärfe und zusätzliches klangliches Profil!
 
Ein Concerto grosso des Komponisten, ein Benedictus für Mezzosopran (Luitgard Hamberger), ein wuchtiges Orgelstück auf elektronischem Instrument (Thomas Pfeiffer diesmal mit virtuos vorgetragenem Solo!) waren bestens geeignet zur Einführung in den vielseitigen Kompositionsstil von Karl Jenkins.
 
Letzteres war wohl das Novum dieses Abends: die Charakteristik, die Eigenmerkmale des Kompositionsstils. Karl Jenkins weiß sich als Allroundmusiker sichtlich in allen Stilrichtungen zu Hause. Aber seine musikalische Herkunft unter anderem aus Jazz und Rock bringt es mit sich, dass ein pulsierendes Metrum sein Markenzeichen wurde, ja dessen oft ostinate Wiederholung geradezu ins Mark geht. Und da kann es sich Jenkins leisten, auch Anleihen in alten Stilen zu nehmen, ohne dass dies je verstaubt klingt. Harmonische Wendungen erinnern an die Beatles, die Wucht der Metrik, die Eleganz des Rhythmischen, lassen Leonard Bernsteins Musik durchklingen. Schon beim ersten Anhören der „Peacemakers“ kommen all diese Elemente zum Tragen: Archaische Kraft, Ruhephasen, Aufbruch. Und am Schluss erfuhren die eindringlich vertonten Friedensbotschaften der einzelnen Friedensstifter eine hymnischer Kraft mit großem Glanz.
 
Dass es bei diesem Konzert nicht nur um ein musikalisch-künstlerisches Anliegen ging, sondern ebenso um eine "Botschaft", war bei allen Mitwirkenden spürbar und sichtbar - daher ja auch die besondere, "Zeichen setzende" Kleidung ganz in weiß.
 
Dieses Werk schlüssig zu gestalten, war ein großes Verdienst der Interpreten. Es wurde souverän und authentisch gemeistert! Dazu trug auch bei, dass Luitgard Hamberger mit ihrer Stimme, gesungen und gesprochen, den epischen Charakter des Oratoriums unterstützte und untermalte. Die Ansage der Texte bremste nicht den Ablauf, sie verlieh vielmehr Struktur in stetigem Innehalten für den Zuhörer. Nicht zuletzt leuchtete Luitgard Hambergers naturhaftes Timbre, jetzt auch in Sopran-naher Lage, so wie wir sie seit jeher kennen.
 
Die Flötistin Barbara Schiöberg mit ihrem engelhaften Spiel auf verschiedenen Flöten, der brilliant improvisierende Sopran-Saxophonist Robert v.Siemens, die präzise agierenden Perkussionisten unter Anno Kesting und Anna Emmersbergers warmherzig klingender E-Bass hatten eine wertvolle künstlerische Aufgabe als wesentliche Ingredienzien dieses Werkes. Mit bravourösen Solo-Einlagen war Rainer Heilmann zu hören, in der Rosenheimer Musikwelt bekannt als Dirigent der „Arche“ und Konzertmeister des klanglich und rhythmisch differenziert spielenden Bach-Collegiums.
 
Mit einem wohliger Nachklang im Ohr, welcher die Erinnerung an den vielstimmigen Gesang der Chöre weit in die Nacht hin wachhielt, konnte man friedlich nach Hause gehen, nicht ohne vorher Begeisterung und Dankbarkeit in den lang anhaltenden Applaus einfließen zu lassen.
 
Diese Konzertbesprechung ist eine Zusammenfassung aus Texten von Robert Engl (OVB) und Walther Prokop (E-Mail), fachlich editiert von Angelica Heder-Loosli
 
hier der Text zum downloaden und /oder ausdrucken: Konzertnachlese.pdf

 

Karl Jenkins

THE PEACEMAKERS

 "Friedensoratorium" für Solo, Kinderchor, Chor und Orchester

 

Samstag 13.Mai 2017, 20 Uhr

Wasserburger Rathaussaal

 

Sonntag 14.Mai 2017, 20 Uhr

Christkönigkirche Rosenheim

 

Luitgard Hamberger, Mezzo
Barbara Schiöberg, Flöte
Robert von Siemens, Saxophon
Rainer Heilmann, Violine
Anna Emmersberger, Gitarre,
Anno Kesting und Co., Perkussion
Thomas Pfeiffer, Orgel
 
Kinderchor Haager Spatzen,
     Einstudierung Zsuzsanna Károlyi-Philippzig
Bach-Collegium Wasserburg,
     Konzertmeister Rainer Heilmann
 
Wasserburger Bach-Chor
 
Leitung: Angelica Heder-Loosli

Plakat.jpg

Pressetext
Mit der Neueinstudierung des Friedensoratoriums „THE PEACEMAKERS“ (Die Friedensstifter) für Soli, Kinderchor, Chor und Orchester des zeitgenössischen Komponisten Karl Jenkins betritt der Bach-Chor musikalisches Neuland, denn dieses Werk entstand erst 2011 und wurde ein Jahr später unter der Leitung des Komponisten in der Carnegie Hall, New York, uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung veranstaltete 2013 der Würzburger Bach-Chor.
Gerade auch als Kulturpreisträger des Landkreises ist es dem Chor und seiner Leiterin Angelica Heder-Loosli ein zentrales Anliegen, immer wieder auch neue, nicht so bekannte Werke als interessante Kostbarkeiten der Chorliteratur zu erarbeiten und dem Publikum nahe zu bringen.
Wer aus dem Jahrgang des Komponisten (* 1944) auf schräge Klänge schließt, wird porsitiv überrascht sein. Jenkins ist britischer Tradition verpflichtet: Wie Elgar, Holst, Vaughan Williams oder Rutter komponiert auch Jenkins tonal. Ja, seine eingängigen Melodien können sogar zu „Ohrwürmern“ werden. Schließlich ist er einer der am häufigsten aufgeführten Komponisten der Gegenwart.
Das Besondere an dem Klangzauberer aus Wales ist, dass er in den letzten Jahren durch engagierte und erfolgreiche Crossover-Projekte aufhorchen ließ, die sowohl die Grenzen von Musikstilen als auch religiöse Grenzen überschreiten und dadurch verbinden.
So auch in „The Peacemakers“: Texte von und über die Friedensstifter Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Franz von Assisi, Martin Luther King, Dalai Lama u.a.m. stehen neben biblischen Aussagen und werden durch eindrückliche Klanggemälde zu einer ausdrucksstarken Vision einer friedvollen Welt: Er lässt die Verbrüderung der Menschen rund um die Welt für einen Moment wahr werden.
 
Text mit Übersetzung ins Deutsche: Peacemakers Übersetzung.pdf