Konzerte 2016

Foto in der Baumburg von Werner Gartner

 

Konzerkritik vom 15.06.2016 im OVB

Überraschend neue Töne und Klänge

Angelica Heder-Loosli hatte ihre Chorkonzerte in Attels und Baumburgs Klosterkirchen unter das Zeichen der bekannten Mariengesänge der Kirche gestellt. Was hatte nicht dieser Chor für ein Piano, ja verhaltenes Pianissimo zu bieten, ob dies den Gesamtchor oder wie bei Prokop das an besondere Anforderungen geschulte Ensemble „Incantiamo“ betraf!

War dies nun eine Art verspäteter Maiandacht? Statt dessen überraschte die stilistische Vielfalt, in der diese anrührenden Texte um die Mutter Jesu vertont wurden. Zudem zeigte sich, zu welch vielseitiger Gestaltung der Chor fähig ist. Auch bei der Uraufführung von Walther Prokops „Salve Regina“ sollte sich der Stil seiner Kompositionen in neuem Licht zeigen.

Dabei fügten sich die Solostimmen des Bassisten Martin Hörberg und die des Tenors Rupert Schäffer harmonisch ins Chorgeschehen ein, wie auch Luitgard Hambergers gewohnt dunkles Alttimbre. Am meisten gefordert und in strahlendem Glanz ihrer Stimme sang Roswitha Schmelzl ihre meist von Orgel oder Streichern begleiteten Partien. Der in den Aufführungen des Bach-Chores so bewährte Organist Thomas Pfeiffer hatte eine elektronische Orgel zur Hand, deren Fülle sich als Stütze sehr bewährte. Eine Auswahl von Streichersolisten des Kreises hatte, vor allem in den Stücken ohne Chorbeteiligung, einen Löwenanteil zu bestreiten. Dabei war es diesen vergönnt, bei Prokops Uraufführung als Partner des Soprans in erstaunlicher Einfühlsamkeit in ungewohnt schwierige Bereiche vorzustoßen.

Stellte dieser Abend nun wirklich eine Marienandacht fürs fromme Gemüt von Musikern und Zuhörern dar? Angelica Heder-Loosli zeigte vor allem, wie Komponisten über die Zeiten hinweg sich in verschiedenster Weise dem Marienthema widmeten. Bei Pergolesi präsentierte sich das gewohnte Bild: Schwungvoll bewegt sang der Chor, zügig im Tempo – ein freudiges Zeugnis des Glaubens im „Magnificat“, fast schon mozartisch im „Salve Regina“. Mozarts sakrale Pflichtübungen aus Salzburger Zeit folgten, immer ein dankbares Objekt in ihrer anrührenden Schönheit.

Die Romantik des 19. Jahrhunderts trat auf den Plan. Ja, und da mutete Mendelssohns „Ave Maria“ schon an wie ein Heiligenbild im Nazarenerstil, in seiner Spannungslosigkeit aller archaischen Herbheit mittelalterlicher Vorlagen enthoben. Viel lapidarer wirkte dafür Gabriel Rheinbergers Musik, wenn sie auch ganz dem klassisch-konservativen Geist seiner Münchner Zeit verhaftet war. Aber jetzt blühten die Stimmen, mal in wuchtigem Unisono, dann in verhaltenem Piano – fromm und ohne Rührseligkeit!

Kann, soll man nun Walther Prokops musikalische Sprache irgendwie zuordnen? Seine Beiträge bedeuteten an diesem Abend einen Sprung in eine keiner Mode unterworfene zeitgenössische Musik. Ganz erfrischend neue Töne vermeint man in seinem „Alma Redemptoris Mater“, „Regina Coeli“ oder „Salve Regina“ herauszuhören, wo man doch meist an seine herbe an französischer Neoklassik des frühen 20. Jahrhunderts orientierte Tonsprache gewohnt ist. Aus mancher asketisch anmutenden Zweistimmigkeit spricht Verlassenheit und Trost zugleich. Und in der Uraufführung seines „Salve Regina“ schwebte der Bogen der Streicher, triumphierte der lichte Sopran Roswitha Schmelzls; es spiegelte sich die immer noch wache Inspiration eines nun 70-jährigen Komponisten unseres Gebietes.

Dieser Programmpunkt war wohl der Höhepunkt des Abends und fordernd zugleich, so dass daraufhin die populärere Musiksprache eines John Rutter oder Karl Jenkins in ihrer Schlichtheit das Hören spürbar entlastete. Hatte in diesem Marienkosmos der Jahrhunderte noch etwas gefehlt?

„Zwingt die Saiten in Cythara, und lasst die süße Musica ganz freudenreich erschallen! Singet, springet …“ Wer hatte diesen Liedsatz so schön bearbeitet? Kein anderer als der Namensgeber des Chores, der nun am Ende den Choral Johann Sebastian Bachs mit großer Herzenswärme in den Raum verströmen ließ. Singet weiter so!

Robert Engl


 

A V E  M A R I A

Mariengesänge aus vier Jahrhunderten

von Pergolesi, Mozart, Mendelssohn Bartholdy, Rheinberger, Rutter, Prokop, Jenkins, Bach

 

Sa 11.Juni 2016, 19:30 Pfarrkirche St.Michael in Attl (Wasserburg)

So 12.Juni 2016,19:30 Stiftskirche Baumburg (Altenmarkt)


Roswitha Schmelzl, Sopran
Luitgard Hamberger, Alt           Rupert Schäffer, Tenor                   Martin Hörberg, Bass

Thomas Pfeiffer, Orgel

Bach-Collegium Wasserburg

Wasserburger Bach-Chor

Leitung Angelica Heder-Loosli

Karten  im Vorverkauf zu 22€, zuzügl. ggfls. Vorberkaufsgebühr bei

- Wasserburg: Buchhandlung Herzog, Wasserburg, Tel 08071-4714
- bei allen Geschäftsstellen der Sparkasse Wasserburg
- online auf www.sparkasse-wasserburg.de (ticketservice) 
- unter der Ticket-Hotline 08071/101-129
- Gemeinde Altenmarkt, Hauptstr.12, 83352 Altenmarkt/Alz, Tel 08621-9845-1608621-9845-16, liebl@altenmarkt.de
- sowie an der Abendkasse
 
Pressetext
Die Bibel hat Maria wie keinen anderen Menschen geehrt. Bei der Verkündigung durch den Engel wird sie „voller Gnade“ genannt. Selbst bei Martin Luther heißt es: „Maria kann nicht genug gelobt werden. Der Lobgesang Mariens dient dazu, von den großen Taten Gottes zu singen, zu stärken unseren Glauben, zu trösten alle Geschwächten“. Der Welt und damit den Menschen Gottes Sohn, Jesus Christus, nahe zu bringen, das war und ist die Bestimmung von Maria, der Mutter Gottes auf Erden.
 
Kaum ein Gebet ist so oft vertont worden wie das „Ave Maria“, das „Gegrüßt seist du, Maria“. Viele Komponisten haben sich vom Gruß des Engels Gabriel und von Marias legendärer Antwort, dem „Magnificat“ („Meine Seele erhebt den Herrn“) zu zeitlos schönen Kompositionen inspirieren lassen.
 
Nicht nur die Verkündigung der Inkarnation Jesu, sondern auch sein irdisches Ende haben mit dem „Stabat Mater“ – Text großartige Kompositionen hervorgebracht, voller Mitgefühl für die Mutter, als sie am Kreuz ihres geliebten Sohnes steht. Darüber hinaus lobpreisen weitere bildhafte Gebetsvertonungen Maria als „Himmelskönigin“ („Salve Regina“), als „Meeresstern“ („Ave, maris stella“) oder als nährende Mutter („Alma mater“).
 
Die Werkauswahl unserer Konzerte nimmt den Zuhörer mit auf eine interessante Musik-Reise durch vier Jahrhunderte, im 18.Jahrhundert beginnend mit Werken von Pergolesi und Mozart. Aus dem 19.Jahrhundert stammen die Kompositionen von Mendelssohn Bartholdy und Rheinberger. Rutters Stücke vertreten das 20.Jahrhundert, die von Prokop und Jenkins das 21.Jahrhundert. Mit einem schlicht-feierlichen Choral von J.S. Bach spannt sich der Bogen wieder zurück in die Barock-Zeit.
Eine Besonderheit stellt die Uraufführung des „Salve Regina“ des in der Region beheimateten Komponisten Walther Prokop dar.
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