Rezensionen der letzten Konzerte

 

Gioachino Rossini

Petite Messe solennelle

Juli 2018

 OPERNHAFT BESCHWINGT
- Bach-Chor meistert in Wasserburg und Amerang Rossinis „Petite Messe solennelle“ -
Nach einer Aufführung von Verdis Requiem rümpfte einst Cosima verächtlich ihr Näschen. Wie wäre erst ihre Reaktion ausgefallen, wenn sie Rossinis „Petite Messe solennelle“ gehört hätte, die für germanische Ohren wohl zu sehr nach Operngetöse klang! Auf die italienische Oper waren die Wagners, inklusive Richard, sowieso prinzipiell nicht gut zu sprechen... Gioachino Rossini selbst schrieb dem lieben Gott eine eher ironische Widmung, in der er quasi seinen Hang zur weltlich-heiteren Buffooper in dieser Messe scheinbar entschuldigte, und dennoch für sich als Dank für seinen wenig bußfertigen Lobpreis einen Platz im Paradies reklamierte.
Eine Besonderheit dieses Sakralwerks: Statt Orchester begleiten einzig Klavier und Harmonium. So ist das „Petite“ im Titel kein Paradox - trotz der wahrhaft abendfüllenden Ausmaße.
Es war für den Wasserburger Bach-Chor unter der Leitung von Angelica Heder-Loosli durchaus keine Verlegenheitslösung, dieses zwar beliebte, aber doch leicht exzentrische Werk im Wasserburger Rathaussaal sowie in Schloss Amerang (eine Premiere!) dem Publikum zu präsentieren: Mit sichtlicher Lust und Freude sang der Chor diese Musik, die harmonisch und melodisch äußerst abwechslungsreich gestaltet, den Sängern ungewohnte, aber attraktive Partien bot. Dass Angelica Heder-Loosli auch das opernhaft Beschwingte, ja Ausgelassene nicht auf die leichte Schulter nahm, versteht sich von selbst. Selbst wenn die Musik wie Champagner perlte, sorgte die Dirigentin für Zucht und Ordnung - sie formte die farbige Textur klar und präzise aus, der Wechsel in der Dynamik brachte zusätzliche Spannungsmomente. Von Langeweile, aber auch Übersättigung keine Spur!
Thomas Pfeiffer am Klavier war der meistbeschäftigte Musiker des Abends; brillant bewältigte er seinen strapaziösen Part ohne geringste Ermüdungserscheinung, sekundiert von dem feinfühligen Konrad Liebscher am Harmonium. Realisierte das Klavier Melodie und Rhythmus, so unterlegte das Harmonium die glitzernden Tonfiguren Thomas Pfeiffers mit streicherhaft satter Grundierung. Verblüffend interessant das rein instrumentale Offertorium, in dem Klavier und Harmonium sich im Wechsel dialogisch austauschen und ergänzen.
Das Solistenquartett war ein Glücksfall: Einzeln wie im Ensemble begeisterten die Sänger durch ausgewogene Balance; sie ließen die letzten Zweifel schwinden, ob Rossini tatsächlich fromme Kirchenmusik komponiert hat... „O salutaris hostia“ gestaltete Priska Eser mit leuchtender Klarheit als ergreifende Kostbarkeit. Kerstin Rosenfeld zauberte mit einer in der Höhe kräftig-weichen, in der Tiefe dunkel-suggestiven Altstimme ein bezwingendes „Agnus Dei“ - ein Finale, das man nicht vergisst. Florian Dengler unterstrich mit seinem schlank geführten Bass-Bariton den Ernst der Rossinischen Unternehmung. Als Operntenor par excellence entpuppte sich der Spanier Joaquín Asiáin. Für den „allmächtigen Vater“ ließ er beim „Domine Deus“ im Gloria kraftvoll, fast schmetternd seine Stimme in die Höhe steigen, mit heller, mediterraner Färbung des Klangs. Und doch sang er innig und ohne Sentiment und absolut überzeugend. Man musste ihn einfach gern haben!
Das Publikum ließ sich von Rossini gleichermaßen wie von der Leistung des Bach-Chors zu intensivem Beifall hinreißen. Gewiss gönnt jedenfalls der spirituell erbaute Konzertbesucher dem pfiffigen Komponisten einen bevorzugten Platz im Paradies. Und dem Wasserburger Bach-Chor mit seiner inspirierten Leiterin Angelica Heder-Loosli einen bevorzugten Rang in der regionalen Musikszene.
                                                                                Walther Prokop
 
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Händels MESSIAH Dezember 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlichtweg Glück
 

Wer sich das Oratorium „Messias“ von Georg Friedrich Händel als Konzert vornimmt, weiß, worauf er oder sie sich einlässt.

Gilt es doch, ein Werk, das in seinem Inhalt über den schmaleren Handlungszeitraum der bekannten Passionen hinausreicht, so darzustellen, dass die sich vielen Einzelteile zu einem einheitlichen Bild zusammenfügen. Der „Messias“ umspannt, um den Mittelpunkt des Wirkens der Person Jesu herum, gewissermaßen ein gut Teil Menschheitsgeschichte, angefangen mit Weissagungen des Alten Testaments bis zur Erlösungszusage der neueren Heilsgeschichte. Ein Weltwerk, und der Komponist müsste nicht Händel heißen, wenn nicht ein um die andere Arie sich an Glanz und Schönheit überböte.

Es war ein Vorhaben, dem die Leiterin Angelica Heder-Loosli im Wasserburger Rathaussaal ein Weiteres hinzufügte, indem sie sich an den englischen Originaltext hielt. Somit hatte sie sich und ihre Mitspieler in Chor, Orchester und Solisten noch mehr als gewohnt bei diesem Werk in das England der Barockzeit hineinzuversetzen. Die Erwartung in eine Musik aus Glanz und Gloria war groß.

Nun, der Schreiber dieser Zeilen empfand von Beginn bis ans Ende schlichtweg Glück. Eigentlich ist schwer zu beschreiben, wo das zündende Element für solches Gefühl zu finden war, hat doch der „Messias“ keine dramatische Abfolge von Geschehnissen aufzuweisen wie die Bachschen Passionen, sondern besteht aus aneinander gereihten Betrachtungen auf Basis biblischer Texte und Aussagen. Doch schon nach wenigen Augenblicken trat es zutage: Wie ein samtener Teppich klangen die Streicher, dezent unterstützt vom Continuo-Ensemble, und auf solchem Fundament strömten Rezitativ und Arie, flossen die Worte aus Chor und Solostimmen. Ja, das war Kammermusik durch und durch, ein Weltwerk ohne Pomp, ohne nur zur Schau gestellte Glorie.

Angelica Heder-Loosli agierte nicht nur schwungvoll; sie ließ den Chor, wie hingerissen von der Macht der sakralen Aussage Händels, in die retardierenden Passagen der Chorsätze hinabgleiten in tiefe Frömmigkeit, um sodann wieder in makelloser Transparenz Fugenthemen ineinander zu verweben. Das „Halleluja“: kein Machtgebaren, sondern fröhliches Aussingen der Freudenrufe in lapidarem Kontrapunkt. So war die Konzeption der Leiterin in dem Werk, in dem Rezitativ, Arien und Chorsätze in stetiger Wiederkehr dem Oratorium Struktur verleihen. Und solcher Aufbau behielt seine Spannung bis zum krönenden und wogenden Amen-Schluss.

In besonderem Maße prägen die Solisten im „Messias“ die Musik, und dafür sorgten Sänger und Sängerinnen von Rang: angefangen beim Tenor Marcus Ullmann, dessen „Comfort ye“ gleich zu Beginn alles erdenklich Tröstliche übertraf; dann die Altistin Kerstin Rosenfeldt, deren Stimme sich volltönend ins Instrumentarium der Streicher und Bläser einfügte und im berühmten Duett „er weidet seine Schafe“ Priska Eser Platz machte, um die F-Dur-Melodie eine Quart höher in strahlendem B-Dur erklingen zu lassen. Und welche Kraft entwickelte der Bass Ralph Sigling in der letzten Arie „The trumpet shall sound“ im Duo mit der Trompete Christoph Eiserts!

Der englische Text floss problemlos

So stand kein Solist dem andern nach, und der englische Text floss problemlos über die Lippen der Sänger – eine zusätzliche Leistung!

Der Komponist soll zu einem Zuhörer gesagt haben, er wolle nicht nur unterhalten (denn das war wohl damals dominanter Zweck jeglicher Musik in England), sondern „die Menschen verbessern“. Für uns, die wir beim Messias primär den sakralen Bezug sehen, hieße das in Abwandlung: Diese Aufführung präsentierte nicht ehernes Glaubenszeugnis allein, sondern dank der kammermusikalischen Konzeption Angelica Heder-Looslis zwei Stunden erfrischender Schönheit, hinter der man die sakrale Botschaft lebendig verspürte.

Robert Engl

 

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 AVE MARIA Konzerte Juni 2016

 
 
 
Foto in der Baumburg von Werner Gartner
 
eine kleine Kostprobe aus unserer gelungenen Doppel-CD:  Jenkins  And the mother.mp3

Konzerkritik vom 15.06.2016 im OVB

Überraschend neue Töne und Klänge

Angelica Heder-Loosli hatte ihre Chorkonzerte in Attels und Baumburgs Klosterkirchen unter das Zeichen der bekannten Mariengesänge der Kirche gestellt. Was hatte nicht dieser Chor für ein Piano, ja verhaltenes Pianissimo zu bieten, ob dies den Gesamtchor oder wie bei Prokop das an besondere Anforderungen geschulte Ensemble „Incantiamo“ betraf!

War dies nun eine Art verspäteter Maiandacht? Statt dessen überraschte die stilistische Vielfalt, in der diese anrührenden Texte um die Mutter Jesu vertont wurden. Zudem zeigte sich, zu welch vielseitiger Gestaltung der Chor fähig ist. Auch bei der Uraufführung von Walther Prokops „Salve Regina“ sollte sich der Stil seiner Kompositionen in neuem Licht zeigen.

Dabei fügten sich die Solostimmen des Bassisten Martin Hörberg und die des Tenors Rupert Schäffer harmonisch ins Chorgeschehen ein, wie auch Luitgard Hambergers gewohnt dunkles Alttimbre. Am meisten gefordert und in strahlendem Glanz ihrer Stimme sang Roswitha Schmelzl ihre meist von Orgel oder Streichern begleiteten Partien. Der in den Aufführungen des Bach-Chores so bewährte Organist Thomas Pfeiffer hatte eine elektronische Orgel zur Hand, deren Fülle sich als Stütze sehr bewährte. Eine Auswahl von Streichersolisten des Kreises hatte, vor allem in den Stücken ohne Chorbeteiligung, einen Löwenanteil zu bestreiten. Dabei war es diesen vergönnt, bei Prokops Uraufführung als Partner des Soprans in erstaunlicher Einfühlsamkeit in ungewohnt schwierige Bereiche vorzustoßen.

Stellte dieser Abend nun wirklich eine Marienandacht fürs fromme Gemüt von Musikern und Zuhörern dar? Angelica Heder-Loosli zeigte vor allem, wie Komponisten über die Zeiten hinweg sich in verschiedenster Weise dem Marienthema widmeten. Bei Pergolesi präsentierte sich das gewohnte Bild: Schwungvoll bewegt sang der Chor, zügig im Tempo – ein freudiges Zeugnis des Glaubens im „Magnificat“, fast schon mozartisch im „Salve Regina“. Mozarts sakrale Pflichtübungen aus Salzburger Zeit folgten, immer ein dankbares Objekt in ihrer anrührenden Schönheit.

Die Romantik des 19. Jahrhunderts trat auf den Plan. Ja, und da mutete Mendelssohns „Ave Maria“ schon an wie ein Heiligenbild im Nazarenerstil, in seiner Spannungslosigkeit aller archaischen Herbheit mittelalterlicher Vorlagen enthoben. Viel lapidarer wirkte dafür Gabriel Rheinbergers Musik, wenn sie auch ganz dem klassisch-konservativen Geist seiner Münchner Zeit verhaftet war. Aber jetzt blühten die Stimmen, mal in wuchtigem Unisono, dann in verhaltenem Piano – fromm und ohne Rührseligkeit!

Kann, soll man nun Walther Prokops musikalische Sprache irgendwie zuordnen? Seine Beiträge bedeuteten an diesem Abend einen Sprung in eine keiner Mode unterworfene zeitgenössische Musik. Ganz erfrischend neue Töne vermeint man in seinem „Alma Redemptoris Mater“, „Regina Coeli“ oder „Salve Regina“ herauszuhören, wo man doch meist an seine herbe an französischer Neoklassik des frühen 20. Jahrhunderts orientierte Tonsprache gewohnt ist. Aus mancher asketisch anmutenden Zweistimmigkeit spricht Verlassenheit und Trost zugleich. Und in der Uraufführung seines „Salve Regina“ schwebte der Bogen der Streicher, triumphierte der lichte Sopran Roswitha Schmelzls; es spiegelte sich die immer noch wache Inspiration eines nun 70-jährigen Komponisten unseres Gebietes.

Dieser Programmpunkt war wohl der Höhepunkt des Abends und fordernd zugleich, so dass daraufhin die populärere Musiksprache eines John Rutter oder Karl Jenkins in ihrer Schlichtheit das Hören spürbar entlastete. Hatte in diesem Marienkosmos der Jahrhunderte noch etwas gefehlt?

„Zwingt die Saiten in Cythara, und lasst die süße Musica ganz freudenreich erschallen! Singet, springet …“ Wer hatte diesen Liedsatz so schön bearbeitet? Kein anderer als der Namensgeber des Chores, der nun am Ende den Choral Johann Sebastian Bachs mit großer Herzenswärme in den Raum verströmen ließ. Singet weiter so!

Robert Engl

Bericht zu Kinder-Schöpfung Juli 2015 im OVB und in der Wasserburger Stimme

Bericht zur Kinder-Schöpfung-7-2015.pdf

 

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Die „Kinderschöpfung“ mit dem Wasserburger Bach-Chor auf der Innbühne

Im Rahmen der Wasserburger Nächte präsentierte der Wasserburger Bach-Chor unter der Leitung von Angelica Heder-Loosli am 4. Juli 2015 auf der schönen Innbühne am Gries eine „besondere" Schöpfung, nämlich eine für Kinder. Es war ein Geschenk für die jungen Zuhörer und vielleicht künftigen Konzertbesucher anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Bach-Chores.

Foto: W.Gartner
Reiner Schulte, der die Musik von Haydns Original in seinem neu geschaffen Regieplan verwendet, lässt dabei das ganze „Personal“ auftreten: die drei Erzengel und die himmlischen Heerscharen samt Orchester. Und er rollt mit deren Hilfe die Erschaffung der Erde nochmal von vorne auf. Der Erzengel Raphael, sehr humorvoll gesprochen und gesungen von Thomas Hamberger (Bass), erzählt, wie das so gegangen ist damals, als aus dem Nichts die Erde geschaffen wurde. Er lässt das Orchester zeigen, was Chaos heißt und wie mitsamt dem Chor der erste Lichtstrahl auf die Erde trifft. Er demonstriert lautmalerisch die Formen des Wetters und stellt den ersten Sonnen- und Mondaufgang sowie die Erschaffung der Tiere vom Wurm bis zum Adler vor, schließlich noch als Krone der Schöpfung den Menschen, dessen Aufgabe es ist, Gott und seine Schöpfung dankbar zu loben und als Adam und Eva einander zu lieben. Dabei wird er gemäß seinen jeweiligen Fähigkeiten assistiert von seinen Erzengel-Kollegen, dem strahlenden Uriel (Christian Zenker, Tenor) und dem lieblichen Gabriel (Anja Züger, Sopran), der Raphael anfangs immer wieder streng ermahnen muss, seine Aufgabe als erzählender Erzengel auch ernst zu nehmen.
Gespannt und amüsiert folgten die Kinder, die mit Eltern und Großeltern die Tribüne bevölkerten, dem Gang der Handlung und der musikalischen Darstellung des Geschehens. Auf spielerische Art wurden sie eingebunden und konnten so hören, wie die Flöten „der Lerche frohes Lied" darstellten oder die Fagotte die turtelnden Tauben nachahmten. Dem Chor war - wie auch in der „richtigen großen" Schöpfung - die Rolle der dankbar jubelnden Engel zugeteilt. Und die echten Vögel auf den umliegenden, Schatten spendenden Bäumen stimmten mit ein.
Diese Erschaffung der Erde dauerte nur etwa eine Stunde, aber es war eine heitere, rundum gelungene Darstellung des Beginns einer "neuen Welt", die die Zuhörer froh gestimmt in den warmen Sommerabend entließ.  D.S.

Video des Fernsehbeitrags vom 08.07.15 beim rfo: Video-rfo-5-7-15.mp4

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Kritik im OVB zum Weihnachtskonzert 28.12.2014 von Robert Engl

Der Bach-Chor Wasserburg feierte Carl Philipp Emanuel Bach

Im Banne der Gegensätze


Der Musikliebhaber hatte im 300. Geburtsjahr von Carl Philipp Emanuel Bach reichlich Gelegenheit gehabt, das Werk des Bach-Sohnes kennenzulernen.

Der Bach-Chor Wasserburg im historischen Rathaussaal der Innstadt unter dem Dirigat von Angelica Heder-Loosli. Foto re

Dieser treue Sachwalter der Kunst des Vaters, des großen Erbteils sakraler Musik, suchte neue Wege abseits der festen Bahnen der barocken Kunst - noch nicht ganz hin zur Welt Haydns oder Mozarts - jedoch versah er seine Musik mit einer eigenständigen Art von Empfindsamkeit. Die literarische "Sturm- und Drangzeit" hatte er damit musikalisch umzusetzen verstanden.

Wer sollte sich hier als Interpret besser eignen als Wasserburgs Chorleiterin Angelica Heder-Loosli? Sie warf sich mit der ihr eigenen Energie mit ihrem Chor in ein Abenteuer des Ausdrucks, der Gegensätze, wie es ein anderer als Philipp Emanuel Bach augenfälliger kaum bieten konnte.

Im "Magnificat" mit seiner eindeutig sakralen Textvorlage machte der Komponist die Singstimmen weitestgehend zu Trägern der Textbotschaft, verzichtete dafür in den Orchesterpartien zumeist auf ausdeutende Motive - ein Markenzeichen von Vater Bach. Die für die neue Zeit sprichwörtliche Empfindsamkeit musikalisch zu vollziehen, bleibt den Solisten vorbehalten, sakrale Macht dafür dem Chor.

Ähnlich verhielt es sich bei der "Dankhymne" des Bach-Sohnes, bei der jedoch dank eines zu Herzen gehenden deutschen Textes auch das Orchester in die Textauslegung mit eingreift: Eine Mixtur aus Naturbetrachtung und Heilsbotschaft - Haydns "Schöpfung kündigt sich an - allerdings fehlt in diesem Werk ein einheitlicher Duktus: Ein Experiment scheint der 72-Jährige vorgehabt zu haben, in dem er alle Schönheit im Wesentlichen in die Partien der Solostimmen legte.

Und eben die hier wirkenden Solisten bedeuteten ein besonderes Glück bei der Aufführung in Wasserburg. Allen voran Thomas Hamberger, der in die erste Arie des "Magnificat" kraftvoll einstieg wie in einer Oper von Händel, dafür aber in der "Dankhymne" mit butterweichem Timbre den Herrn pries. "Der Vogel singt den Lüften" - so wäre wohl Priska Esers Sopranarie, im Duo mit Christiane Kneers Flöte, am besten zu charakterisieren. Ähnlich Thomas Hamberger verlieh auch der Tenor Andreas Weller seiner Arie im "Magnificat" heroische Züge, dann aber wetteiferte er im Duo mit der Altistin Sabine Staudinger um den schönsten Schmelz, so dass man eine einzige Stimme zu hören glaubte. Ja, eine vergleichende Wertung schien hier kaum möglich, denn im Quartett steigerte sich der Gesang zu Höhepunkten des Abends.

Dieser Eindruck bestärkte sich insbesondere im Gegensatz zu den Choreinsätzen: Machtvoll tönte es von den erhöhten Reihen vom Bass bis hin zum Sopran. Die Fuge im "Magnificat", ein die Fugenkunst des Vaters an halsbrecherischen Passagen fast übertreffender Schlussakt des Oratoriums, wurde in gebändigter Kraft zu einem gleichwertigen Glanzpunkt für den Chor. Das "Sanctus" der Dankhymne nahm Angelica Heder-Loosli im Fortissimo. Das erschreckte eher, als es befreite. Ja, Heiliges kann auch Furcht erregen. War dies die Absicht des Komponisten?

Ähnlich später, wenn im Schlussakt der "Dankhymne" der Weihnachtschoral "Lobt Gott ihr Christen alle gleich" in neuem harmonischen Gewand erscheint und der Chor mit den Solisten wetteifert. Und jetzt möge Angelica Heder-Loosli verzeihen: Müssen Gegensätze solchermaßen überzeichnet werden? Es mag für den Zuhörer elektrisierende Wirkung genug bedeuten, wenn die Vielzahl der Chorstimmen sich mit den Solostimmen abwechselt. Im satten Forte kann er den natürlichen Glanz der Stimmen erkennen; ein Fortissimo jedoch ist bei Wiederholungen einer Steigerung nicht mehr zugänglich.

Dennoch: Die Art, wie Angelica Heder-Loosli mit ihrem Chor immer wieder Neues und Ungewohntes - wie hier zum Beispiel die "Dankhymne" - aufgreift und in origineller Weise verwirklicht, ist in der Chorlandschaft des Landkreises unverzichtbar geworden. Trotz des kleinen Wermutstropfens: Auch dieser Abend!

 
KRITIK OVB 28.5.2014 von Walther Prokop                                                                    

Wasserburger Bach-Chor begeistert mit Haydns "Schöpfung" in den Kirchen von Rott und Baumburg

Der süße Duft der Blumen

Eine frühe Erinnerung des Berichterstatters drängte sich auf: Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" als sogenanntes Jugendkonzert im Kongresssaal des Deutschen Museums. Das große Werk wirkte in der düsteren Monumentalität des riesigen Saales selbst angegraut und hinterließ in dem Halbwüchsigen die Erinnerung an ein zwar verehrungswürdiges, aber einigermaßen langweiliges Kulturgut.

© OVB Der Wasserburger Bachchor in der Rokokokirche von Kloster Baumburg. Foto fkn

Nun erweckten der Wasserburger Bach-Chor unter der Leitung von Angelica Heder-Loosli und das professionelle Bach-Collegium unter Konzertmeister Rainer Heilmann Joseph Haydns Geniestreich zu blühendem Leben. "Blühend" im wahrsten Wortsinn, denn der verzückte Ausruf der biblischen Eva "Wie reizend ist der Blumen süßer Duft" ist der Schlüssel für das ganze Werk: Die Musik Joseph Haydns duftet!

Dieses Gefühl wurde natürlich noch verstärkt durch das Ambiente der beiden Aufführungsorte, den Rokokokirchen Rott am Inn und Baumburg.

Was alles war prägend für das besondere Konzerterlebnis? Zunächst zweifellos Angelica Heder-Loosli, die den großen Apparat mit zarter, aber zielorientierter Hand fest im Griff hatte. Zudem griff sie bei Rezitativen noch gekonnt in die (elektronischen) Cembalotasten. Dann die Flöten, die sich mit lautmalerischen Einwürfen aufs Lieblichste bemerkbar machten; die Oboen, die fast unmerklich das Klangbild mit Gold grundierten; die Klarinetten, die mit ihrem "modernen" Timbre weg vom Barock strebten, aus dem der junge Haydn ja einst kam, und schließlich die Fagotte, den Holzbläserklang warm einfärbend. Oder auch brummig in der Tiefe röhrend, wenn nach der Erschaffung des Rindviehs "den Boden drückt der Tiere Last"...

Diese liebevolle Beschreibung der Tierwelt, diese scheinbar naive Kleinmalerei prangerte noch der romantische Maler Philipp Otto Runge als Kleingeisterei an, die einer wahrhaft ins Ideale strebenden Musik unwürdig sei. Wir heute erfreuen uns an dem oft augenzwinkerndem Witz, dem Esprit und auch der Experimentierfreudigkeit des keineswegs betulichen Zopfträgers Haydn. Vielmehr gewinnt dieses Oratorium durch die vielen konkreten Farbtupfer für uns eine prickelnde Anschaulichkeit. Der "kühlende Bach", das "goldene Sonnenlicht", das "wollenreiche, sanfte Schaf" und viele Einzelheiten mehr entrücken die Geschichte von der Entstehung unserer Welt einer blutlosen Esoterik wie auch einer allzu pathetischen Lobpreisung. Ungeachtet allen Philosophenstreits findet die "beste aller Welten" eben doch bei Haydn statt...

Bei früheren Konzerten des Wasserburger Bach-Chors bewunderte man die (von Erfolg gekrönte) Risikofreudigkeit, die technische Ausgereiftheit haarsträubend vertrackter Partien. Diesmal erstaunte man über die so selbstverständlich wirkende Gelassenheit der Sänger; Joseph Haydn singen zu dürfen bedeutete dem Chor sichtlich Freude und sogar Entspannung. Das soll nicht heißen, es sei nur mit "halber Kraft voraus" agiert worden. Die menschenfreundlichen Melodien Haydns setzten Kräfte frei, die sich außer in Tonschönheit in mitreißender Emotionalität offenbarten. Wahrscheinlich wäre jeder der Zuhörer dem enthusiastischen Herrn nur zu gerne gefolgt, der nach dem Schlusschor des ersten Teils in die Stille hinein mit einem schier fassungslosen "Toll!" seinem Entzücken Ausdruck verlieh!

Erstaunlich, dass ein so opulentes Oratorium mit nur drei Gesangssolisten auskommt: Drei Erzengel memorieren gewissermaßen das Prozedere der Welterschaffung. Zwei davon dürfen dann im dritten Teil Adam und Eva ihre Stimme leihen. Christian Zenker (Tenor) war ein würdiger und stimmkräftiger Uriel, der geschmeidig und sehr textverständlich deklamierte. Die Sopranistin Anja Zügner verkörperte mit kristallklarer Stimme zunächst Erzengel Gabriel, dann mit zunehmender Wärme und Empathie die Urmutter Eva, die freilich als "holde Gattin" allen Liebreiz entfalten durfte. Christian Maria Schmidt nahm mit seinem auch in der Tiefe so samtweichen Bass dem Raphael jegliche Unnahbarkeit, und stattete Adam mit so sympathischem Adel aus, dass selbst kämpferische Frauen die Textstelle verzeihen dürften, in welcher der Mensch mit dem Manne gleichgesetzt wird: "...gen Himmel aufgerichtet steht der Mensch, ein Mann und König der Natur".

Der Schlussbeifall war jedenfalls nicht "endenwollend". Und wir können nur den zuvor zitierten Ausruf wiederholen: "Toll!"

Quelle: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/suesse-duft-blumen-3592639.html
 
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Kritik Baumburg.pdf (Zum Anschauen oder Herunterladen einfach draufklicken)

Kritik Trostberger Tagblatt 30.5.2014 von Veronika Mergenthal

Lichtdurchflutete »Schöpfung« in Baumburg

Das gleißende Licht, in das die wandernde Abendsonne nacheinander die Gesichter verschiedener Musiker und Sänger tauchte und von der sanften Beleuchtung des übrigen Raums abhob, war wie ein Symbol: Genau so kraftvoll, klar und kontrastreich war die mitreißende Interpretation von Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung« durch den Wasserburger Bach-Chor in der Baumburger Stiftskirche. Unter Leitung von Angelica Heder-Loosli hinterließen die Sänger und Musiker in der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« einen tiefen Eindruck.

    Der Wasserburger Bach-Chor und das Bach-Collegium Wasserburg unter Leitung von Dirigentin Angelica Heder-Loosli, hier während eines der starken Solisten-Terzette von Anja Zügner (von links), Christian Zenker und Christian Maria Schmidt. (Foto: Mergenthal)

Als Auslöser für dieses gewaltige, vieldimensionale Jahrhundertwerk, das innerhalb von drei Jahren entstand, gilt in der Überlieferung der Besuch von Haydn beim deutsch-englischen Astronomen William Herschel in Slough bei Windsor im Juni 1792. Beim Blick in das von Herschel selbst gebaute riesige Spiegelteleskop war der österreichische Komponist völlig überwältigt von der Unendlichkeit des Weltraums.

Die Beschäftigung mit Händels Oratorien bei seinem zweiten Besuch in London 1794 bereitete weiter den Boden für die »Schöpfung«, ebenso wie die Entdeckung eines handschriftlichen, ursprünglich für Händel bestimmten Librettos. Der kaiserliche Hofbibliothekar Gottfried von Swieten übertrug den bis heute eindrucksvollen, poetisch-bildhaften Text ins Deutsche. Der Erfolg der im April 1798 in Wien uraufgeführten »Schöpfung« war beispiellos.

Umso mehr ist es eine Herausforderung, unter den zahlreichen Aufführungen des Werks bis heute hervorzustechen. Dies gelang den Wasserburgern mit Leichtigkeit – in einer geglückten Einheit von Chor, Profi-Orchester und Solisten. Die Einleitung zelebrierte Angelica Heder-Loosli, die selber das Continuo-Cembalo spielte, mit theatralischer Dramatik, starken Kontrasten und großer Spannung. Man sah vor sich das wabbernde Chaos der noch formlosen, dunklen, leeren Erde und den Kampf der Elemente, der zu einer explosionsartigen Entladung führte, um wieder in der Stille zu versinken und den Weg für den sanft über dem Wasser schwebenden Geist Gottes zu bereiten. »Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht!« sang der Chor und zeigte beim Fortissimo der letzten vier Worte erstmals seine Stimmgewalt und rhythmische Präzision.

Machtvolle Akzente setzte der große Gesangs-Körper in den festlichen Chören, die jeden der sechs Schöpfungstage und den siebten Tag als Ruhetag Gottes als Höhepunkte krönten. Es war spürbar, dass der Gründerin und Leiterin als Gesangspädagogin die Pflege der Laienstimmen, klare und saubere Intonation, die Präsenz jedes Sängers und eine facettenreiche Dynamik am Herzen liegen. Zugleich spürte man, dass die Sänger mit Körpersprache und Mimik die Musik voller Freude und Anteilnahme durchlebten und an den Lippen ihrer Dirigentin hingen. Wie ein Block standen die choralähnlichen Elemente da, und Souveränität zeigten die Stimmgruppen in den Fugen. Beim vorletzten Chor berührte beim Schlusssatz »Dich beten Erd’ und Himmel an, wir preisen dich in Ewigkeit« besonders der Kontrast zwischen dem Pianissimo des innigen, zarten Gebets und das Fortissimo des überschwänglichen, jubelnden Lobpreises.

In den Rollen des Erzengels Gabriel und der Eva zog Anja Zügner in den Bann – mit einem weichen, geschmeidigen Sopran voller Ausdrucksstärke, sinnlicher Präsenz und sympathischer Erscheinung. Ein Vergnügen war unter anderem, wie sie, begleitet vom Horn, das Sprießen der Blumen, Bäume und duftenden Kräuter schilderte oder dem wundervollen Text von der Erschaffung der Vögel Leben einhauchte, begleitet von herausragenden Holzbläsern, vor allem Klarinette und Querflöte: »Auf starkem Fittiche schwinget sich der Adler stolz und teilet die Luft im schnellesten Fluge zur Sonne hin. Den Morgen grüßt froh der Lerche frohes Lied, und Liebe girrt das zarte Taubenpaar.« Christian Maria Schmidts wohlklingender, voller und runder Bass überzeugte als Raphael und Adam und der temperamentvolle lyrische Tenor von Christian Zenker als Uriel.

Ihre Leidenschaft für das Werk übertrug die energiegeladene Dirigentin auch auf die Musiker, die, ob Streicher, Pauke oder die durch die Grassauer Blechbläser verstärkten Blasinstrumente, darunter Barock-Trompeten und -Posaunen, höchste Präzision, Leichtigkeit, Homogenität und virtuose Brillanz zeigten. Das Bach-Collegium Wasserburg ließ ein farbenreiches, überquellendes Gemälde der Schöpfungspracht entstehen, das die Herzen berührte. Es bleibt zu hoffen, dass diese Vision der Einheit des Menschen mit der Natur zu einem Umdenken angesichts der allgemeinen Gleichgültigkeit und Ehrfurchtslosigkeit beiträgt. Langer Applaus belohnte die Interpreten.

Veronika Mergenthal

Quelle: Traunsteiner Tagblatt

 

 

OVB 02.01.2014

Walther Prokop

P E R F E K T   D U R C H G E S T Y L T

 - Weihnachtskonzert des Wasserburger Bach-Chors -

Es muß ja nicht unbedingt immer mit „Jauchzet, frohlocket!“ beginnen, damit ein opulenter weihnachtlicher Chorauftritt zustande kommt. Dem Wasserburger Bach-Chor ist es gelungen, aus dem Riesen-Oeuvre seines Namenspatrons passende Kantaten zu einem sehr ansprechenden Programm zu bündeln. Den krönenden Abschluß bildete freilich die vertraute, vierte Kantate aus dem „Weihnachtsoratorium“ - da wurden die prachtvollen Chöre nochmals mit hellem Bläserglanz umstrahlt. Und für die entzückende Arie „...du Heiland sprichst selbst ja (Echo: Ja!) konnte der Echo-Sopran sogar optimal aus den eigenen Reihen besetzt werden!
„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes...“ beginnt die Kantate BWV 40. Diesen sprachlich etwas sperrigen Anfang weiß Bach mit solch rhythmischer Energie aufzuladen, dass dem Hörer nichts anderes übrigbleibt, als gebannt zu lauschen. Überhaupt hat Bach lange vor Papst Franziskus die „Freude am Evangelium“ entdeckt und verwirklicht, denn die oft lehrhaft-spröde Theologie der Texte könnte unsere Empathie kaum in Schwung bringen.
Der große Schlager in dieser Kantate ist aber die fulminante Bass-Arie „Höllische Schlange, wird dir nicht bange?“, ein Stück wie maßgeschneidert für Thomas Hamberger, der alle Register seiner großen Gestaltungskunst ziehen konnte. Bei dieser raffiniert teuflischen Musik könnte man fast dem Faszinosum Schlange erliegen, statt sie als Schreckgespenst zu verabscheuen...

Ähnlich wie Thomas Hamberger kann auch die Altistin Sabine Staudinger den Text restlos in ausdrucksstarken Gesang auflösen und so suggestiv den Zuhörer überwältigen. Schade, dass Bach ihr in der abschließenden Kantate keinen Part mehr zugedacht hatte!
Seinen stärksten Eindruck hinterließ der Tenor Johannes Kaleschke kurz vor Schluss mit seiner Arie „Ich will nur dir zu Ehren leben...“.
In bekömmlicher Mittellage konnte sich sein wohllautendes Timbre auch bei ausladenden Koloraturen voll entfalten; die Verse wurden vom lyrischen Schmelz der Stimme veredelt. Ein zusätzliches Plus dieser Arie waren die hinreißend gespielten Soloviolinen von Anna Skouras und Rainer Heilmann, die ein stürmisches Tempo vorlegten, dem Johannes Kaleschke aber mühelos, ja höchst animiert folgte.
Die Sopranistin Anja Zügner kam erst ab der zweiten Kantate „Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget“ (BWV 64) zum Zug. Ihre leuchtkräftige Stimme strahlt eine fast distanzierte, jedoch makellose Kühle aus. Auch sie hatte ihre anrührendsten Momente in der letzten Kantate mit der dialogisch angelegten, sehr lebendigen Echo-Arie.
In der Kantate zum Sonntag nach Weihnachten „Das neugeborne Kindelein“ (BWV 122) durfte Thomas Hamberger in einer weiteren Bass-Arie dem Publikum die Leviten lesen: „O Menschen, die ihr täglich sündigt, ihr sollt der Engel Freude sein“.
So gesungen, nimmt man diese Schelte gern auf sich, und gelobt angesichts der perlend und natürlich gesungenen Koloraturen bei „Freude“ gerne Besserung.
Das „Bach-Collegium“ hielt die qualitative Messlatte wie immer sehr hoch: Berückend schön die Oboe d’amore, voll der „Fülle des Wohllauts“ die Hörner, homogen die Streicher, präzise und virtuos Cello, Kontrabass und Orgel!
Spielte der Wasserburger Bach-Chor im Zusammenwirken mit Gesangssolisten und Orchester nun eine Haupt- oder eine Nebenrolle? Angelica Heder-Loosli hatte den Chor 1985 gegründet. So bestünde zumindest der Verdacht, die Sänger könnten in die Jahre gekommen sein. Nun belehrte uns schon der erste Einsatz des Abends eines Besseren. Denn der rhythmische Drive, die exakte Artikulation, die punktgenauen Akzente, die feinen Abstufungen innerhalb des Forte, die Frische und die farbige Strahlkraft des Chorklangs lassen eher an eine Verjüngungskur denken. Die vielen Jahre der Erfahrung aber halten das gewissermaßen jugendliche Ungestüm in einer kontrollierten Balance.
Die beste Fußball-Elf ist nur eine halbe Sache ohne begnadeten Trainer; aber auch der beste Trainer beißt sich ohne begabte Spieler vergebens die Zähne aus.
Angelica Heder-Loosli ist nicht nur eine Dirigentin, die mit sportiver Intensität ihre Leute für den aktuellen Auftritt trimmt, sondern eine Chorerzieherin mit einem Konzept langfristiger Strategien. Da ist dann nicht vorzeitig die Luft raus, jede Phrase ist perfekt durchgestylt und der sängerische Kampfgeist hält bis zum letzten Ton!
Um die zuvor gestellte Frage zu beantworten: In seiner Gewichtigkeit und sängerischen Präsenz war der Wasserburger Bach-Chor zumindest ein „primus inter pares“, ein gleichberechtigter Partner von Orchester und Solisten.
Ein spannungsvoller Abend, der beim Publikum im vollbesetzten Wasserburger Rathaussaal einhelligen Jubel auslöste.

Walther Prokop

 

 
OVB 03.07.2013

Walther Prokop

Vollkommenheit des Unvollendeten

 
Fragmente oder Torsi üben auf moderne Menschen eine besondere Anziehungskraft aus. Hat das mit der romantischen Lust am Ruinösen zu tun? Sicher nicht, denn wir empfinden ja Schuberts "Unvollendete" oder Mozarts "Requiem" durchaus als vollkommene Werke. Auch die Große Messe in c-moll ist ein Wurf, der durch seine geistige Geschlossenheit den Atem stocken lässt! Wir wissen nicht, warum diese Musik unvollendet geblieben ist, warum große Teile des Credos und das Agnus Dei fehlen, und es ist für die Qualität der Musik auch unerheblich. Interessant zu wissen aber wäre: Fand der gestrenge Herr Papa, dem Wolfgang imponieren wollte, bei der Salzburger Aufführung an diesem Geniestreich seines Sohnes Gefallen? Oder hat Leopold vielleicht ingrimmig geseufzt: "Wieder nur für den Geschmack der wenigen Experten"? Die schroffe Kompromisslosigkeit des Kyrie muss den Zeitgenossen in den Ohren geklungen haben wie den Heutigen vielleicht ein Schönberg...
Der Bach-Chor brillierte in Attel. Foto gartner
© OVB
Der Bach-Chor brillierte in Attel. Foto gartner
 
Wie auch immer, dem Wasserburger Bach-Chor unter der Leitung von Angelica Heder-Loosli gelang es nicht nur, ein volles Haus zu zaubern, sondern auch das erwartungsvolle Publikum zu bezaubern, durch eine spannende, im regionalen Bereich sicher Maßstäbe setzende Aufführung. Ort des Geschehens die große Pfarrkirche St. Michael in Attel, tags darauf die Wiederholung des Konzerts in der Schloßberger St. Georgskirche.
Als liturgische Messvertonung zu ausladend, im Konzert aber nicht ganz abendfüllend, setzte man zwei kurze Programmteile Mozarts voran.
Das "Andante in C-Dur" für Flöte und Orchester, KV 315, ließ noch nicht ahnen, dass es danach sozusagen ins musikalische Hochgebirge ging. Alice Guinet freilich gestaltete dieses schöne und sehr lyrische Stück mit schwebendem Klang, aber doch nachdrücklicher Intensität. Eine freundliche Vorspeise, aber beileibe kein Mozartsches Leichtgewicht!
Mit "Adagio und Fuge in c-moll" für Streicher, KV 546, ging's dann zur Sache. Die markanten Rhythmen, die bohrenden Sprünge ließen den Rokoko-Mozart vollends vergessen - eine wilde, fast unwegsame Klanglandschaft tat sich auf. Das punktgenau agierende Bach-Collegium Wasserburg (Konzertmeisterin Anna Skouras) meißelte dieses kurze Werk zu einer beklemmenden Vision.
Pauken und Trompeten (Mitglieder der Grassauer Bläser) gaben nun dem Hauptwerk des Abends, der Großen Messe in c-moll, strahlenden Glanz und volltönende Opulenz. Damit kein Missverständnis aufkommt: Angelica Heder-Loosli ließ grundsätzlich ein feines Piano aufblühen, das sich sachte steigern konnte, zu dem sie aber sobald als möglich wieder zurückkehrte. Forteausbrüche markierten wirklich nur die Höhepunkte. Überhaupt erzeugte die Dirigentin die Spannung in erster Linie aus einer genauen Beachtung der dynamischen Werte. Jedesmal ein Erlebnis für den Hörer, wenn plötzlich der Klangapparat von größter Lautstärke ins strikte Pianissimo abkippte.
In Salzburg seinerzeit sang Constanze, die von den Biographen nicht eben enthusiastisch gewürdigte Ehefrau Mozarts, die Sopranpartie. Man kann sich jedenfalls nur schwer vorstellen, dass sie auch nur annähernd das Niveau erreichen konnte, das den Solistinnen des Abends mühelos zu Gebote stand. Priska Eser und Claudia Reinhard harmonierten nicht nur mit ihren Stimmen, sondern machten trotz höchst artifizieller Koloraturen gerade die liebevolle Versöhnlichkeit dieser Partien erlebbar.
Der fragmentarische Charakter, wohl auch der Anlass der Komposition (zum Dank für die Genesung Constanzes) ließ die Tenor- und Basspartien etwas zu kurz kommen.
Im Terzett "Quoniam" aus dem "Gloria" war der Tenor Hermann Oswald mit seinem warmen Timbre ein gut hörbarer, zugleich anpassungsfähiger Dritter im Bunde. Martin Hörbergs unprätentiöser, aber edel wohltönender Bass gab dem Solistenquartett im "Benedictus" die nötige Abrundung.
Verblüffend die stimmliche Schlagkraft des Wasserburger Bach-Chores. Angelica Heder-Loosli scheint ihre weiblichen wie männlichen Sänger zu einer gewissen Risikofreudigkeit ermuntert zu haben; die hörbar sorgfältige Probenarbeit hat freilich dieses Risiko sehr kalkulierbar gemacht. Die geforderte Lautstärke war sofort präsent, da wurde nicht erst der Ton vorsichtig anvisiert - der mächtige Klang stand wie ein stählerner Block. Überhaupt, keine rhythmischen Unschärfen, keine gefühlvolle "Weichzeichnung", sondern klare, fast harte Konturen! Das heizte die Emotionen mächtig an. Der Hörer wurde buchstäblich hineingerissen in die Dramatik des tönenden Worts und es wurde tatsächlich Ereignis, was heute so inflationär im Munde geführt wird: Betroffenheit.
Diese entlud sich in heftigen, lang anhaltenden Beifall.

 

 

OVB 03.01.2013

Robert Engl

Der Wasserburger Bach-Chor in seinem Weihnachtskonzert

Weihnachten einmal ganz anders

Angelica Heder-Loosli und ihr Wasserburger Bach-Chor haben in ihrer "Europäischen Weihnacht" im Wasserburger Rathaussaal wieder einmal mehr gezeigt, dass sie Programme von besonderem Reiz auf die Beine stellen können. Wie der Moderator des Abends, Walther Prokop, bemerkte, handelte es sich diesmal um Werke, die gewissermaßen im Abseits des etablierten musikalischen Geschehens stehen. Hier gelte es, aktiv zuzuhören, wie etwa bei Benjamin Brittens "Christmas Carols" oder bei Ottorino Respighis "Lauda per la Nativita del Signore".

Für das Konzert standen nun namhafte Gesangssolisten bereit: Mit Rita Kapfhammer und Katharina Gruber-Trenker zwei Vertreter des warmen und dunkleren Timbres von Mezzosopran und Alt; daneben aber, mit dem Löwenanteil am Geschehen, die Sopranistin Anja Schwarze-Janka, die routiniert in ihre keine Höhen und Schwierigkeiten sparenden Partien hineinwuchs. Markus Herzogs und Martin Hörbergs eindringliche Stimmen und Gesangskunst bildeten dazu den männlichen Gegenpart. Engagiert und aufnahmefreudig für die neuen Töne des Programms präsentierten sich alle Fünf.

 

© OVB Der Wasserburger Bach-Chor und die Solisten beim Weihnachtskonzert. Foto fkn

Souverän beherrschten Männer und Frauen des Chores die teils schwierige Rhythmik und stimmliche Verflechtung in den moderneren Werken von Britten und Respighi. Brittens gelegentliche Ausflüge in die Gregorianik, erstaunlicherweise vom Komponisten den Frauenstimmen zugedacht, hätten wohl größerer Geschmeidigkeit im Ausdruck bedurft, aber mit großer Freude und Verve sang der Chor diese weihnachtlichen Carols.

Was für eigenständige Tonsprache bei Britten: Klänge von schillerndem Reiz, kanonartige Verflechtungen, ostinate Figuren und vertrackte Rhythmik. Dies war Weihnachten in ganz anderem Gewand, und solch herbe Sprache erfrischte ungemein.

Wie anders klang da vorher das "Oratorio de Noel" von Camille Saint-Säens. Ein altfranzösisch, aber in romantischem Gewand, empfundenes "Noel", ungewohnt für uns womöglich auch, denn - man verzeihe! - stetige Gefühlsseligkeit mag sich entspannt anhören, kann aber auch ermüden. Keine Frage: Dies lag am Werk selbst, nicht an den Interpreten.

Nach der Pause ging es nach Italien, zu Respighis "Lauda". Geschult an Verdi, Puccini und an der ewig gültigen Renaissancekunst des südlichen Nachbarn herrschte echte Italianitá. Dass nur Bläser und Tasteninstrumente den Chor und die Sängersolisten begleiteten, verlieh dieser Weihnachtsmusik den Charakter südlicher Lebensfreude.

Ja, das Instrumentarium: Wäre dieser europäische Kosmos möglich gewesen ohne den sehr aktiv eingeplanten Organistenpart Thomas Pfeiffers, ohne die virtuos spielende Harfenistin Julia Kaltenbrunner, ohne die trefflichen Bläser und Streicher? Angelica Heder-Loosli, wir wissen es aus ihren vielen Konzerten, war hier wiederum nicht nur Chorleiterin, sondern animierender und ordnender Geist für Sänger und Instrumentalisten in einem.

So bliebe noch Max Regers Choralkantate zum Lied "Vom Himmel hoch". Bescheiden, ohne großen individuellen kompositorischen Anspruch gab sich dieses Werk zu erkennen. Aber angesichts des stark romantisierenden Überbaues mag man sich nach Johann Sebastian Bach gesehnt haben - oder noch besser: nach dem Choral allein in seiner eingängigen Schlichtheit. Doch ein schöner Regieeinfall sorgte dafür, dass dieser Choral zu seiner vorgesehenen Wirkung gelangte, denn zweimal durfte der ganze Saal aus voller Brust miteinstimmen. Was brauchte es mehr für weihnachtlichen Ausklang!

 

 

OVB 23.5.2012

 Walther Prokop

Jubel zur Himmelfahrt

Wasserburger Bachchor singt Bachs "Osteroratorium" und "Himmelfahrtsoratorium"

Bach und "Osteroratorium"? Das flutscht nicht so ganzheitlich wie Bach und Weihnachten oder Bach und Matthäuspassion! Gar erst noch die Hundertschaften von Kantaten: Wer behält da den Überblick! Ein Selbstversuch, sich durch alle diese Vokalkompositionen zu wühlen, ist zeitaufwendig, aber lohnend: Da gibt's keine Nebenwerke, geschweige denn Blindgänger oder Flops. Alle sind sie musikalisch attraktiv und voller Poesie, was man den barocken Textvorlagen nicht durchweg zugestehen kann. Egal, denn die Reimereien werden von der herrlichen Musik aufgesogen...
 
© OVB Der Wasserburger Bachchor sang in der ehemaligen Klosterkirche in Rott am Inn. Foto re
 
Angelica Heder-Loosli und der Wasserburger Bach-Chor haben beherzt mal die vorösterliche Bußzeit beiseite gelassen und sich liturgisch ganz auf den Jubel von Auferstehung und Himmelfahrt konzentriert. So kam im Rathaussaal Wasserburg und in der Kirche Rott am Inn ein Programm zustande, das einen großen dramaturgischen Bogen spannt: "Osteroratorium" (BWV 249), die Kantate (BWV 6) zum Emmaus-Tag und schließlich das "Himmelfahrtsoratorium" (BWV 11).
Bachs Kantaten sind durchpulst von dramatischem Atem. Diverse Rollen verstärken den theatralischen Charakter. So sind die Gesangssolisten von besonderer Wichtigkeit. Mit ihrer Ausstrahlung steht und fällt der "Unterhaltungswert" für den Zuhörer. Die Alt-Arien waren bei Sabine Staudinger in besten Händen: Ihr ausgeprägter Sinn für rhythmischen Drive und ihre packende, ausdrucksstarke Gestaltung des Textes überzeugen und begeistern. Priska Eser versenkt sich dagegen mehr meditativ-sinnend in ihren Part und gestaltet mit großem Atem und berückend schwingender Stimme weiträumige Strukturen. Besonders eindrucksvoll in der langen Arie der "Maria Jacobi", die, virtuos von der konzertierend begleitenden Querflöte Alice Guinets umrankt, die Spannung bis zum letzten Ton nicht abflauen ließ.
Häufig sind dem Ariengesang obligate Soloinstrumente beigesellt, welche den besonderen Stimmungsgehalt hervorheben und wie ein Goldfaden mit der vokalen Melodie verwoben sind. Dietrich Schmid (Oboe), Daniela Langanki (Oboe d'amore), Alejandro Vila (Fagott) und Anna Skouras (Violine) waren ihren Sängern nicht nur ebenbürtige, sondern glanzvolle Partner. Besonders virtuose Herausforderungen hatte Cellist Andreas Fischer zu bewältigen, dessen aufgewühlter Part reizvoll mit dem ruhigen und entrückt-ätherischen Choralgesang des Chorsoprans kontrastierte.
Christian Zenker setzte mit kraftvollem, klarem Tenor in Wechselreden, Rezitativen und Arien sonore Akzente, und entfaltete in der Arie des Petrus eine Vielzahl feiner klanglicher Facetten. "Sanft" und "tröstlich" sind die Schlüsselwörter des Textes, die Christian Zenker in unglaublicher Zartheit Ereignis werden lässt. Klaus Reiter, kurzfristig als Bass-Solist eingesprungen, ließ keinerlei Defizite einer vielleicht hastigen Einstudierung erkennen; im Gegenteil, mit ruhiger Souveränität präsentierte er die Qualitäten seiner vollen, aber agilen Stimme, ohne forcieren zu müssen.
Und der Bach-Chor selbst? Ein Gehörloser, der diesen Chor nur singen sieht, müsste innerlich mithören können und von Freude erfüllt werden: Alle Sängerinnen und Sänger nämlich zeigen mit der Mimik, ja mit dem ganzen Körper die eben erklingende Musik. Magnetischer Mittelpunkt ihrer intensiven Aufmerksamkeit ist die Leiterin, Angelica Heder-Loosli. Ihren Winken, ihren Impulsen folgen sie bedingungslos - keine pure Selbstverständlichkeit bei Laienchören! Beim Zuhören schlägt sich diese Haltung nieder in der Leichtigkeit des Klangs, in der Schwerelosigkeit selbst der Spitzentöne, ebenso in der rhythmischen Diszipliniertheit.
Das Profi-Orchester unterstützte mit engagierter Selbstverständlichkeit das angestrebte hohe Niveau. Kein Wunder, dass nicht allein die Fan-Gemeinde, sondern das große Publikum in der vollbesetzten Rotter Kirche in lang anhaltenden, begeisterten Beifall ausbrach.

 

 

OVB 20.4.2011

 

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OVB 4.1.2011

 

Bach-Chor führt zweiten Teil von Bachs "Weihnachtsoratorium" im Wasserburger Rathaussaal auf

Ein' feste Burg mit Golddach

Sooft man auch Bachs "Weihnachtsoratorium" hört: Man hört es doch immer wieder anders. Die Aufführung der Bach-Kantaten IV bis VI des Wasserburger Bach-Chors im historischen Rathaussaal der Innstadt war geprägt von geglückter Geschlossenheit und zugleich glaubenssicherer und zupackender Entschlossenheit.
 
OVB

Sangen unter dem "Golddach" der festen Rathausburg (von links): die Sopranistin Priska Eser, die Altistin Luitgard Hamberger, geführt von der Chorleiterin und Dirigentin Angelica Heder-Loosli.

 
Vor allem die Männerstimmen flammten geradezu vor resoluter Entschiedenheit und trutziger Wehrhaftigkeit des Glaubens, auch "wenn die stolzen Feinde schnauben". Der Glaube an des Herren "Macht und Hülfe" wurde machtvoll Klang, sie bauten musikalisch ein feste Burg mit fest gefügten Quadern.
Diese Entschiedenheit führte dazu, dass der Choral "Ich steh an Deiner Krippen hier" mehr Mut als Demut zeigte, dass mehr die Fülle der Gabengeschenke an das Jesulein besungen wurde statt die dadurch bewirkte Armut der Seele. Dafür erhellte im Choral Nr. 53 ein großes sinnfälliges Crescendo die "finstre Grube" des Herzens mittels des göttlichen Gnadenstrahls: ein schönes Beispiel, wie gut der Chor textlich-musikalisch von Angelica Heder-Loosli instruiert war.
Die Frauenstimmen jubilierten fast ekstatisch im Engelschor "Ehre sei Dir, Gott, gesungen" mit Schwung und mit elektrisierendem Swing, der selbst in der Wiederholung nicht nachließ, sondern sich mit noch mehr Energie auflud. Gerade die Frauenstimmen sorgten für gesangliche Klarheit und obertonreichen Goldglanz, so wenn sie den "Gnadenthron" im Anfangschor mit leichtem Melodieaufschwung gleichsam mit einer Gloriole überwölbten: Sie deckten, um im Bilde zu bleiben, die feste Burg mit einem glitzernden Golddach. Mädchenhaft-schlank blieb der Sopran und wortausdeutend-genau in den Chorbegleitungen der Bassrezitative - nur ein bisschen zu siegessicher laut.
Der Goldglanz war auch im Orchester, dem Wasserburger Bach-Collegium, hörbar: Ein geschärfter Geigenklang, das fast rhetorisch ausdrucksstarke Cello von Andreas Fischer sowie die durchwegs sicheren Bläser verliehen dem Orchesterklang eine transparente Trennschärfe, ein irisierendes Gleißen und Flirren. Auch hier herrschte Souveränität, geschliffen-agile Souveränität.
Die vier Solisten fügten sich fugenlos in das Konzept der Glaubensburg ein: Der Tenor Andreas Hirtreiter nach anfänglicher Neutralität immer mehr, in seiner Arie "Ich will dir zu Ehren leben" erfüllte er die Läufe noch nicht mit genug Leben - wie es dafür die ihn begleitenden Violinsolisten - Anna Skouras und Rainer Heilmann - begeistert taten. Doch wurde er immer anteilnehmend-lebendiger und sogar leidenschaftlich. Thomas Hamberger ließ die musikalischen Figurationen glanzvoll erstrahlen und machte klar, was er sang: "Dein Wort soll mir die hellste Kerze sein". Der Altistin hat Bach hier keine Arie gegeben, sie darf immer nur kommentieren, berichtigen, ergänzen, was Luitgard Hamberger affekt- und effektvoll tat. Priska Eser ließ ihren wie immer sehr gut geführten und wohlklingenden Sopran dunkel schimmern. Nicht vergessen sein soll die ungenannte Chorsolistin, die das Echo in der Echo-Arie mit klarer, unmissverständlicher