3. Oktober 2020 – Deutschland singt
Anlässlich der dreißigsten Wiederkehr des Tages der deutschen Einheit am 3.Oktober 2020 wird der Wasserburger Bach-Chor auf dem zentral gelegenen Konzertplatz Frauengasse in Wasserburg am Inn diese Feier gestalten. Das ist sein erster Auftritt in diesem so besonderen Jahr.
Die Wiedervereinigung Deutschlands ist in ihren Geschehnissen einmalig und nicht nur von nationaler Bedeutsamkeit. Das Anliegen, das Wunder der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls mit einer breiten Bürgerschaft bei einer öffentlichen Feier (Open Air) generationsübergreifend gemeinsam zu feiern, soll bewusst auch ein Zeichen der Dankbarkeit und der Hoffnung für die Zukunft unseres Landes sein, welche aus Einheit und gelebtem Miteinander heraus kraftvoll gestaltet werden kann – besonders durch die Veränderungen, welche uns alle in der aktuellen Krise ganz neu herausfordern, miteinander Zukunft zu gestalten.
Die Initiative „3. Oktober – Deutschland singt“ möchte am 3. Oktober 2020 ein deutliches Zeichen des Dankes für die Wiedervereinigung und 75 Jahre Frieden in Deutschland senden. Der Appell, der deutschlandweit von den Marktplätzen der Republik ausgehen wird, soll lauten: Auch für die Zukunft stehen wir geeint für Grundwerte wie Freiheit, Humanität, Zusammenhalt und Demokratie ein.
Viele der vom Bundesmusikverband vorgegebenen und auch die von der Chorleiterin Angelica Heder-Loosli zusätzlich ausgewählten Lieder sind bekanntes Liedgut und gewähren ein abwechslungsreiches Programm.
Die Feier wird durch Werner Gartner, 2. Bürgermeister der Stadt Wasserburg am Inn eröffnet. Durch das Programm führt Katrin Meindl vom AK 68. Eine Zeitzeugin, Regina Liefeith, die diese bedeutenden Zeit des Umbruchs und der Wende hautnah erlebt hat, wird die Zuhörer mit ihrem Bericht in diese Zeit führen.
Der Beginn der deutschlandweit stattfindenden Veranstaltung ist um 19.00h und dauert ca. eine Stunde. Der Einlass von der Herrengasse aus ist ab 18.30h geöffnet.
Für die Veranstaltung gibt es ein Hygienekonzept, das u.a. eine begrenzte Teilnehmerzahl, das Einhalten der Abstandsregel und das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorsieht. Um die Zeit für die Registrierung so kurz wie möglich zu halten, wird um eine Anmeldung mit vollständigem Namen und Telefonnummer gebeten.
Regina Liefeith, im Dezember 1957 geboren in der thüringischen Stadt Bleicherode im Südharz, hat den Umbruch und die Wende Ende der 80er Jahre hautnah erlebt – eine Zeit, die ihr Leben geprägt hat.
Haag/Wasserburg – Regina Liefeith, im Dezember 1957 geboren in der thüringischen Stadt Bleicherode im Südharz, hat den Umbruch und die Wende Ende der 80er Jahre hautnah erlebt – eine Zeit, die ihr Leben geprägt hat. Am Samstag singt sie anlässlich des 30. Jahrestags der Wiedervereinigung im Wasserburger Bach-Chor bei einer Feier in der Altstadt und lässt in einem kurzen Vortrag ihr Leben in der DDR Revue passieren.
Was empfindet sie an diesem Jahrestag? „Freude und Dankbarkeit“, sagt die 62-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich habe Vertrauen in unseren Rechtsstaat.“ Seit 2001 lebt sie in Oberndorf bei Haag. „Ein Teil von mir ist aber immer noch ostdeutsch“, sagt sie.
Am Ural einen Sommer auf dem Bau gearbeitet
Gleichwohl wehrt sie sich dagegen, die DDR rückblickend nur als Unrechts- und Überwachungsstaat zu sehen. Manche Beiträge in den Medien oder in Lehrbüchern habe sie als nicht fair empfunden, als einseitig, überheblich und „rein abstrakt“. Und so stelle sie sich die Frage: „Ist es allein das, was von unserem bunten Leben übrig bleibt, auch wenn es in grauen Mauern war?“ Dass Reisen in den Westen nicht möglich waren, findet sie auch heute nicht schlimm: „Es war halt so.“ Immerhin, sie durfte zu DDR-Zeiten nach Polen, Ungarn und Russland reisen. „Ich habe in Ufa am Ural als Studentin einen ganzen Sommer auf dem Bau gearbeitet.“ Ein Erlebnis, das sie nicht eintauschen wolle gegen einen Urlaub in der Karibik. Und es habe in der DDR auch keine Arbeitslosen gegeben: „Jeder wurde irgendwie mitgenommen – nach seinen Fähigkeiten.“
Andererseits ist ihr wohl bewusst, dass in der DDR Willkür und Ungerechtigkeit herrschten. „Ich will da nichts schönmalen.“ Ja, es seien Menschen an der Grenze erschossen worden. Und 1988, bei einem Pop-Konzert am Reichstag seien Menschen zusammengeknüppelt worden. Ihre Mutter, eine Lehrerin, durfte keinen Geschichtsunterricht geben, die Großeltern wurden in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gezwungen, die Lizenz für die Gastwirtschaft wurde ihnen entzogen. Immerhin durfte Regina Liefeith nach dem Abitur eine Berufsausbildung in der EDV machen, anschließend studierte sie Volkswirtschaft in Halle.
Mangelwirtschaft: Das DDR-System war am Ende
Spätestens 1989 war ihr aber klar, dass das DDR-System am Ende war. „Man hat ja die Mangelwirtschaft gesehen, man hat gesehen, dass überhaupt nichts funktioniert hat.“ Liefeiths Fazit 30 Jahre nach der Wiedervereinigung: „Beim Fall der Mauer hat man gesehen: Wenn sich genug Menschen für eine Sache engagieren, haben sie auch die Kraft, etwas zum Guten zu bewegen.“