Konzertrezensionen 2011-2014
Carl Philipp Emanuel Bach zum 300. Geburtstag
Magnificat – Dankhymne
28. Dezember 2014
Pressetext
Carl Philipp Emanuel Bach, der zweitälteste Sohn von Johann Sebastian Bach, gehört zu den bedeutendsten Komponisten des 18. Jahrhunderts. Auch wenn sein Vater heute bekannter ist, genoss C.P.E. Bach bei seinen Zeitgenossen ein weitaus höheres Ansehen. J. Haydn, W. A. Mozart und L.van Beethoven galt er als wegweisendes Vorbild. Er ist ein Hauptvertreter der musikalischen Empfindsamkeit – somit derjenigen Stilepoche, die zwischen Barock und der Wiener Klassik einzuordnen ist. C.P.E. Bach entwickelte zunehmend einen ganz eigenen, individuellen Stil, sich vor der Tradition und der Ausbildung seines Vaters verneigend und neue Ideen des Gefühlsausdrucks integrierend: „Aus der Seele muß man spielen und nicht wie ein abgerichteter Vogel.“
Mit der Aufführung von zwei großen Vokalwerken für Soli, Chor und Orchester, das „Magnificat“, ein Frühwerk von 1749 und die „Dankhymne“ ein Spätwerk von 1785 mit dem berühmten doppelchörigen „Heilig“, rundet der Wasserburger Bach-Chor feierlich-festlich das Jubiläumsjahr dieses besonderen, eigenwilligen Komponisten ab.
Der Bach-Chor Wasserburg im historischen Rathaussaal der Innstadt unter dem Dirigat von Angelica Heder-Loosli. Foto re
Kritik im OVB zum Weihnachtskonzert 28.12.2014 von Robert Engl
Der Bach-Chor Wasserburg feierte Carl Philipp Emanuel Bach
Im Banne der Gegensätze
Der Musikliebhaber hatte im 300. Geburtsjahr von Carl Philipp Emanuel Bach reichlich Gelegenheit gehabt, das Werk des Bach-Sohnes kennenzulernen.
Dieser treue Sachwalter der Kunst des Vaters, des großen Erbteils sakraler Musik, suchte neue Wege abseits der festen Bahnen der barocken Kunst – noch nicht ganz hin zur Welt Haydns oder Mozarts – jedoch versah er seine Musik mit einer eigenständigen Art von Empfindsamkeit. Die literarische „Sturm- und Drangzeit“ hatte er damit musikalisch umzusetzen verstanden.
Wer sollte sich hier als Interpret besser eignen als Wasserburgs Chorleiterin Angelica Heder-Loosli? Sie warf sich mit der ihr eigenen Energie mit ihrem Chor in ein Abenteuer des Ausdrucks, der Gegensätze, wie es ein anderer als Philipp Emanuel Bach augenfälliger kaum bieten konnte.
Im „Magnificat“ mit seiner eindeutig sakralen Textvorlage machte der Komponist die Singstimmen weitestgehend zu Trägern der Textbotschaft, verzichtete dafür in den Orchesterpartien zumeist auf ausdeutende Motive – ein Markenzeichen von Vater Bach. Die für die neue Zeit sprichwörtliche Empfindsamkeit musikalisch zu vollziehen, bleibt den Solisten vorbehalten, sakrale Macht dafür dem Chor.
Ähnlich verhielt es sich bei der „Dankhymne“ des Bach-Sohnes, bei der jedoch dank eines zu Herzen gehenden deutschen Textes auch das Orchester in die Textauslegung mit eingreift: Eine Mixtur aus Naturbetrachtung und Heilsbotschaft – Haydns „Schöpfung kündigt sich an – allerdings fehlt in diesem Werk ein einheitlicher Duktus: Ein Experiment scheint der 72-Jährige vorgehabt zu haben, in dem er alle Schönheit im Wesentlichen in die Partien der Solostimmen legte.
Und eben die hier wirkenden Solisten bedeuteten ein besonderes Glück bei der Aufführung in Wasserburg. Allen voran Thomas Hamberger, der in die erste Arie des „Magnificat“ kraftvoll einstieg wie in einer Oper von Händel, dafür aber in der „Dankhymne“ mit butterweichem Timbre den Herrn pries. „Der Vogel singt den Lüften“ – so wäre wohl Priska Esers Sopranarie, im Duo mit Christiane Kneers Flöte, am besten zu charakterisieren. Ähnlich Thomas Hamberger verlieh auch der Tenor Andreas Weller seiner Arie im „Magnificat“ heroische Züge, dann aber wetteiferte er im Duo mit der Altistin Sabine Staudinger um den schönsten Schmelz, so dass man eine einzige Stimme zu hören glaubte. Ja, eine vergleichende Wertung schien hier kaum möglich, denn im Quartett steigerte sich der Gesang zu Höhepunkten des Abends.
Dieser Eindruck bestärkte sich insbesondere im Gegensatz zu den Choreinsätzen: Machtvoll tönte es von den erhöhten Reihen vom Bass bis hin zum Sopran. Die Fuge im „Magnificat“, ein die Fugenkunst des Vaters an halsbrecherischen Passagen fast übertreffender Schlussakt des Oratoriums, wurde in gebändigter Kraft zu einem gleichwertigen Glanzpunkt für den Chor. Das „Sanctus“ der Dankhymne nahm Angelica Heder-Loosli im Fortissimo. Das erschreckte eher, als es befreite. Ja, Heiliges kann auch Furcht erregen. War dies die Absicht des Komponisten?
Ähnlich später, wenn im Schlussakt der „Dankhymne“ der Weihnachtschoral „Lobt Gott ihr Christen alle gleich“ in neuem harmonischen Gewand erscheint und der Chor mit den Solisten wetteifert. Und jetzt möge Angelica Heder-Loosli verzeihen: Müssen Gegensätze solchermaßen überzeichnet werden? Es mag für den Zuhörer elektrisierende Wirkung genug bedeuten, wenn die Vielzahl der Chorstimmen sich mit den Solostimmen abwechselt. Im satten Forte kann er den natürlichen Glanz der Stimmen erkennen; ein Fortissimo jedoch ist bei Wiederholungen einer Steigerung nicht mehr zugänglich.
Dennoch: Die Art, wie Angelica Heder-Loosli mit ihrem Chor immer wieder Neues und Ungewohntes – wie hier zum Beispiel die „Dankhymne“ – aufgreift und in origineller Weise verwirklicht, ist in der Chorlandschaft des Landkreises unverzichtbar geworden. Trotz des kleinen Wermutstropfens: Auch dieser Abend!
DIE SCHÖPFUNG von Joseph Haydn
24.Mai 2014 Pfarrkirche Rott am Inn
25.Mai 2015 Stiftskirche Baumburg, Altenmarkt
Dazu treten drei Solisten als Erzähler der Schöpfungsgeschichte auf, die in den drei Teilen zunächst als Erzengel, dann als Betrachter der entstehenden Natur und schließlich als die neu geschaffenen Menschen fungieren. Besonders im letzten Teil rückt die menschliche Liebe in ihrer Reinheit, Naturverbundenheit und Dankbarkeit in den Mittelpunkt: es erklingen friedlich-innige, fast intime Duette zwischen Adam und Eva. Alle Stimmen des Erdreichs und des Himmels vereinen sich am Schluss zu einem überwältigenden Jubelchor.
© OVB Der Wasserburger Bachchor in der Rokokokirche von Kloster Baumburg. Foto fkn
Kritik im Trostberger Tagblatt 30.5.2014 von Veronika Mergenthal
Lichtdurchflutete »Schöpfung« in Baumburg
Das gleißende Licht, in das die wandernde Abendsonne nacheinander die Gesichter verschiedener Musiker und Sänger tauchte und von der sanften Beleuchtung des übrigen Raums abhob, war wie ein Symbol: Genau so kraftvoll, klar und kontrastreich war die mitreißende Interpretation von Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung« durch den Wasserburger Bach-Chor in der Baumburger Stiftskirche. Unter Leitung von Angelica Heder-Loosli hinterließen die Sänger und Musiker in der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« einen tiefen Eindruck.
Der Wasserburger Bach-Chor und das Bach-Collegium Wasserburg unter Leitung von Dirigentin Angelica Heder-Loosli, hier während eines der starken Solisten-Terzette von Anja Zügner (von links), Christian Zenker und Christian Maria Schmidt. (Foto: Mergenthal)
Als Auslöser für dieses gewaltige, vieldimensionale Jahrhundertwerk, das innerhalb von drei Jahren entstand, gilt in der Überlieferung der Besuch von Haydn beim deutsch-englischen Astronomen William Herschel in Slough bei Windsor im Juni 1792. Beim Blick in das von Herschel selbst gebaute riesige Spiegelteleskop war der österreichische Komponist völlig überwältigt von der Unendlichkeit des Weltraums.
Die Beschäftigung mit Händels Oratorien bei seinem zweiten Besuch in London 1794 bereitete weiter den Boden für die »Schöpfung«, ebenso wie die Entdeckung eines handschriftlichen, ursprünglich für Händel bestimmten Librettos. Der kaiserliche Hofbibliothekar Gottfried von Swieten übertrug den bis heute eindrucksvollen, poetisch-bildhaften Text ins Deutsche. Der Erfolg der im April 1798 in Wien uraufgeführten »Schöpfung« war beispiellos.
Umso mehr ist es eine Herausforderung, unter den zahlreichen Aufführungen des Werks bis heute hervorzustechen. Dies gelang den Wasserburgern mit Leichtigkeit – in einer geglückten Einheit von Chor, Profi-Orchester und Solisten. Die Einleitung zelebrierte Angelica Heder-Loosli, die selber das Continuo-Cembalo spielte, mit theatralischer Dramatik, starken Kontrasten und großer Spannung. Man sah vor sich das wabbernde Chaos der noch formlosen, dunklen, leeren Erde und den Kampf der Elemente, der zu einer explosionsartigen Entladung führte, um wieder in der Stille zu versinken und den Weg für den sanft über dem Wasser schwebenden Geist Gottes zu bereiten. »Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht!« sang der Chor und zeigte beim Fortissimo der letzten vier Worte erstmals seine Stimmgewalt und rhythmische Präzision.
Machtvolle Akzente setzte der große Gesangs-Körper in den festlichen Chören, die jeden der sechs Schöpfungstage und den siebten Tag als Ruhetag Gottes als Höhepunkte krönten. Es war spürbar, dass der Gründerin und Leiterin als Gesangspädagogin die Pflege der Laienstimmen, klare und saubere Intonation, die Präsenz jedes Sängers und eine facettenreiche Dynamik am Herzen liegen. Zugleich spürte man, dass die Sänger mit Körpersprache und Mimik die Musik voller Freude und Anteilnahme durchlebten und an den Lippen ihrer Dirigentin hingen. Wie ein Block standen die choralähnlichen Elemente da, und Souveränität zeigten die Stimmgruppen in den Fugen. Beim vorletzten Chor berührte beim Schlusssatz »Dich beten Erd’ und Himmel an, wir preisen dich in Ewigkeit« besonders der Kontrast zwischen dem Pianissimo des innigen, zarten Gebets und das Fortissimo des überschwänglichen, jubelnden Lobpreises.
In den Rollen des Erzengels Gabriel und der Eva zog Anja Zügner in den Bann – mit einem weichen, geschmeidigen Sopran voller Ausdrucksstärke, sinnlicher Präsenz und sympathischer Erscheinung. Ein Vergnügen war unter anderem, wie sie, begleitet vom Horn, das Sprießen der Blumen, Bäume und duftenden Kräuter schilderte oder dem wundervollen Text von der Erschaffung der Vögel Leben einhauchte, begleitet von herausragenden Holzbläsern, vor allem Klarinette und Querflöte: »Auf starkem Fittiche schwinget sich der Adler stolz und teilet die Luft im schnellesten Fluge zur Sonne hin. Den Morgen grüßt froh der Lerche frohes Lied, und Liebe girrt das zarte Taubenpaar.« Christian Maria Schmidts wohlklingender, voller und runder Bass überzeugte als Raphael und Adam und der temperamentvolle lyrische Tenor von Christian Zenker als Uriel.
Ihre Leidenschaft für das Werk übertrug die energiegeladene Dirigentin auch auf die Musiker, die, ob Streicher, Pauke oder die durch die Grassauer Blechbläser verstärkten Blasinstrumente, darunter Barock-Trompeten und -Posaunen, höchste Präzision, Leichtigkeit, Homogenität und virtuose Brillanz zeigten. Das Bach-Collegium Wasserburg ließ ein farbenreiches, überquellendes Gemälde der Schöpfungspracht entstehen, das die Herzen berührte. Es bleibt zu hoffen, dass diese Vision der Einheit des Menschen mit der Natur zu einem Umdenken angesichts der allgemeinen Gleichgültigkeit und Ehrfurchtslosigkeit beiträgt. Langer Applaus belohnte die Interpreten.
Veronika Mergenthal
Quelle: Traunsteiner Tagblatt
KRITIK OVB 28.5.2014 von Walther Prokop
Wasserburger Bach-Chor begeistert mit Haydns „Schöpfung“ in den Kirchen von Rott und Baumburg
Der süße Duft der Blumen
Johann Sebastian Bach – Weihnachtskantaten
28.Dezember 2013
„Sehet, welch eine Liebe …“
Pressetext
Bevor die bekannten und vertrauten Klänge der 4.Kantate „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“ aus Bachs Weihnachtsoratorium das diesjährige Weihnachtskonzert des Wasserburger Bach-Chores beenden, erklingen drei wunderschöne Weihnachtskantaten, die Johann Sebastian Bach in seiner Zeit als Thomaskantor für die Feiertage nach Heiligabend komponiert hat.
Diese drei Kantaten sind wahre Kostbarkeiten aus Bachs reichem Kantatenschatz, die in unserem Konzertbetrieb oft zu Unrecht im Schatten der großen Passionen und Oratorien, wie z.B. dem berühmten Weihnachtsoratorium stehen.
In ihrer Auswahl und Reihenfolge sind alle vier Kantaten nicht nur chronologisch sinnvoll aufgebaut, sondern auch musikalisch inhaltlich fein aufeinander abgestimmt. Jede Kantate hat ihre eigene Aussage, die sich ganz charakteristisch in allen Farben der Musik darstellt.
OVB 02.01.2014 – Walther Prokop
PERFEKT DURCHGESTYLT
– Weihnachtskonzert des Wasserburger Bach-Chors –
„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes…“ beginnt die Kantate BWV 40. Diesen sprachlich etwas sperrigen Anfang weiß Bach mit solch rhythmischer Energie aufzuladen, dass dem Hörer nichts anderes übrigbleibt, als gebannt zu lauschen. Überhaupt hat Bach lange vor Papst Franziskus die „Freude am Evangelium“ entdeckt und verwirklicht, denn die oft lehrhaft-spröde Theologie der Texte könnte unsere Empathie kaum in Schwung bringen.
Der große Schlager in dieser Kantate ist aber die fulminante Bass-Arie „Höllische Schlange, wird dir nicht bange?“, ein Stück wie maßgeschneidert für Thomas Hamberger, der alle Register seiner großen Gestaltungskunst ziehen konnte. Bei dieser raffiniert teuflischen Musik könnte man fast dem Faszinosum Schlange erliegen, statt sie als Schreckgespenst zu verabscheuen…
Ähnlich wie Thomas Hamberger kann auch die Altistin Sabine Staudinger den Text restlos in ausdrucksstarken Gesang auflösen und so suggestiv den Zuhörer überwältigen. Schade, dass Bach ihr in der abschließenden Kantate keinen Part mehr zugedacht hatte!
Seinen stärksten Eindruck hinterließ der Tenor Johannes Kaleschke kurz vor Schluss mit seiner Arie „Ich will nur dir zu Ehren leben…“.
In bekömmlicher Mittellage konnte sich sein wohllautendes Timbre auch bei ausladenden Koloraturen voll entfalten; die Verse wurden vom lyrischen Schmelz der Stimme veredelt. Ein zusätzliches Plus dieser Arie waren die hinreißend gespielten Soloviolinen von Anna Skouras und Rainer Heilmann, die ein stürmisches Tempo vorlegten, dem Johannes Kaleschke aber mühelos, ja höchst animiert folgte.
Die Sopranistin Anja Zügner kam erst ab der zweiten Kantate „Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget“ (BWV 64) zum Zug. Ihre leuchtkräftige Stimme strahlt eine fast distanzierte, jedoch makellose Kühle aus. Auch sie hatte ihre anrührendsten Momente in der letzten Kantate mit der dialogisch angelegten, sehr lebendigen Echo-Arie.
In der Kantate zum Sonntag nach Weihnachten „Das neugeborne Kindelein“ (BWV 122) durfte Thomas Hamberger in einer weiteren Bass-Arie dem Publikum die Leviten lesen: „O Menschen, die ihr täglich sündigt, ihr sollt der Engel Freude sein“.
So gesungen, nimmt man diese Schelte gern auf sich, und gelobt angesichts der perlend und natürlich gesungenen Koloraturen bei „Freude“ gerne Besserung.
Das „Bach-Collegium“ hielt die qualitative Messlatte wie immer sehr hoch: Berückend schön die Oboe d’amore, voll der „Fülle des Wohllauts“ die Hörner, homogen die Streicher, präzise und virtuos Cello, Kontrabass und Orgel!
Spielte der Wasserburger Bach-Chor im Zusammenwirken mit Gesangssolisten und Orchester nun eine Haupt- oder eine Nebenrolle? Angelica Heder-Loosli hatte den Chor 1985 gegründet. So bestünde zumindest der Verdacht, die Sänger könnten in die Jahre gekommen sein. Nun belehrte uns schon der erste Einsatz des Abends eines Besseren. Denn der rhythmische Drive, die exakte Artikulation, die punktgenauen Akzente, die feinen Abstufungen innerhalb des Forte, die Frische und die farbige Strahlkraft des Chorklangs lassen eher an eine Verjüngungskur denken. Die vielen Jahre der Erfahrung aber halten das gewissermaßen jugendliche Ungestüm in einer kontrollierten Balance.
Die beste Fußball-Elf ist nur eine halbe Sache ohne begnadeten Trainer; aber auch der beste Trainer beißt sich ohne begabte Spieler vergebens die Zähne aus.
Angelica Heder-Loosli ist nicht nur eine Dirigentin, die mit sportiver Intensität ihre Leute für den aktuellen Auftritt trimmt, sondern eine Chorerzieherin mit einem Konzept langfristiger Strategien. Da ist dann nicht vorzeitig die Luft raus, jede Phrase ist perfekt durchgestylt und der sängerische Kampfgeist hält bis zum letzten Ton!
Um die zuvor gestellte Frage zu beantworten: In seiner Gewichtigkeit und sängerischen Präsenz war der Wasserburger Bach-Chor zumindest ein „primus inter pares“, ein gleichberechtigter Partner von Orchester und Solisten.
Ein spannungsvoller Abend, der beim Publikum im vollbesetzten Wasserburger Rathaussaal einhelligen Jubel auslöste.
Walther Prokop
Wolfgang Amadeus Mozart
Große Messe in c-Moll
29.Juni 2013 Klosterkirche St.Michael, Attel
30.Juni 2013 Pfarrkirche St.Georg, Schlossberg
OVB 03.07.2013
Walther Prokop
Vollkommenheit des Unvollendeten
Fragmente oder Torsi üben auf moderne Menschen eine besondere Anziehungskraft aus. Hat das mit der romantischen Lust am Ruinösen zu tun? Sicher nicht, denn wir empfinden ja Schuberts „Unvollendete“ oder Mozarts „Requiem“ durchaus als vollkommene Werke. Auch die Große Messe in c-moll ist ein Wurf, der durch seine geistige Geschlossenheit den Atem stocken lässt! Wir wissen nicht, warum diese Musik unvollendet geblieben ist, warum große Teile des Credos und das Agnus Dei fehlen, und es ist für die Qualität der Musik auch unerheblich. Interessant zu wissen aber wäre: Fand der gestrenge Herr Papa, dem Wolfgang imponieren wollte, bei der Salzburger Aufführung an diesem Geniestreich seines Sohnes Gefallen? Oder hat Leopold vielleicht ingrimmig geseufzt: „Wieder nur für den Geschmack der wenigen Experten“? Die schroffe Kompromisslosigkeit des Kyrie muss den Zeitgenossen in den Ohren geklungen haben wie den Heutigen vielleicht ein Schönberg…
OVB 03.01.2013 – Robert Engl
Der Wasserburger Bach-Chor in seinem Weihnachtskonzert
Weihnachten einmal ganz anders
Souverän beherrschten Männer und Frauen des Chores die teils schwierige Rhythmik und stimmliche Verflechtung in den moderneren Werken von Britten und Respighi. Brittens gelegentliche Ausflüge in die Gregorianik, erstaunlicherweise vom Komponisten den Frauenstimmen zugedacht, hätten wohl größerer Geschmeidigkeit im Ausdruck bedurft, aber mit großer Freude und Verve sang der Chor diese weihnachtlichen Carols.
Was für eigenständige Tonsprache bei Britten: Klänge von schillerndem Reiz, kanonartige Verflechtungen, ostinate Figuren und vertrackte Rhythmik. Dies war Weihnachten in ganz anderem Gewand, und solch herbe Sprache erfrischte ungemein.
Wie anders klang da vorher das „Oratorio de Noel“ von Camille Saint-Säens. Ein altfranzösisch, aber in romantischem Gewand, empfundenes „Noel“, ungewohnt für uns womöglich auch, denn – man verzeihe! – stetige Gefühlsseligkeit mag sich entspannt anhören, kann aber auch ermüden. Keine Frage: Dies lag am Werk selbst, nicht an den Interpreten.
Nach der Pause ging es nach Italien, zu Respighis „Lauda“. Geschult an Verdi, Puccini und an der ewig gültigen Renaissancekunst des südlichen Nachbarn herrschte echte Italianitá. Dass nur Bläser und Tasteninstrumente den Chor und die Sängersolisten begleiteten, verlieh dieser Weihnachtsmusik den Charakter südlicher Lebensfreude.
Ja, das Instrumentarium: Wäre dieser europäische Kosmos möglich gewesen ohne den sehr aktiv eingeplanten Organistenpart Thomas Pfeiffers, ohne die virtuos spielende Harfenistin Julia Kaltenbrunner, ohne die trefflichen Bläser und Streicher? Angelica Heder-Loosli, wir wissen es aus ihren vielen Konzerten, war hier wiederum nicht nur Chorleiterin, sondern animierender und ordnender Geist für Sänger und Instrumentalisten in einem.
So bliebe noch Max Regers Choralkantate zum Lied „Vom Himmel hoch“. Bescheiden, ohne großen individuellen kompositorischen Anspruch gab sich dieses Werk zu erkennen. Aber angesichts des stark romantisierenden Überbaues mag man sich nach Johann Sebastian Bach gesehnt haben – oder noch besser: nach dem Choral allein in seiner eingängigen Schlichtheit. Doch ein schöner Regieeinfall sorgte dafür, dass dieser Choral zu seiner vorgesehenen Wirkung gelangte, denn zweimal durfte der ganze Saal aus voller Brust miteinstimmen. Was brauchte es mehr für weihnachtlichen Ausklang!
© OVB Der Wasserburger Bach-Chor und die Solisten beim Weihnachtskonzert. Foto fkn
OVB 23.5.2012 – Walther Prokop
Jubel zur Himmelfahrt
Wasserburger Bachchor singt Bachs „Osteroratorium“ und „Himmelfahrtsoratorium“
Bach und „Osteroratorium“? Das flutscht nicht so ganzheitlich wie Bach und Weihnachten oder Bach und Matthäuspassion! Gar erst noch die Hundertschaften von Kantaten: Wer behält da den Überblick! Ein Selbstversuch, sich durch alle diese Vokalkompositionen zu wühlen, ist zeitaufwendig, aber lohnend: Da gibt es keine Nebenwerke, geschweige denn Blindgänger oder Flops. Alle sind sie musikalisch attraktiv und voller Poesie, was man den barocken Textvorlagen nicht durchweg zugestehen kann. Egal, denn die Reimereien werden von der herrlichen Musik aufgesogen…
Sangen unter dem „Golddach“ der festen Rathausburg (von links): die Sopranistin Priska Eser, die Altistin Luitgard Hamberger, geführt von der Chorleiterin und Dirigentin Angelica Heder-Loosli.
OVB 4.1.2011
Bach-Chor führt zweiten Teil von Bachs „Weihnachtsoratorium“ im Wasserburger Rathaussaal auf
Eine feste Burg mit Golddach
